Studentische Forschung
Studentische Forschung ist ein profilbildendes Merkmal des Studiums an der Evangelischen Hochschule Dresden. Studierende entwickeln eigene Forschungsfragen aus sozialen, pädagogischen, pflegerischen und organisationalen Praxisfeldern, führen empirische Untersuchungen durch, evaluieren Konzepte und gestalten Entwicklungs- und Innovationsprojekte. Die Forschungsformen reichen von Praxis- und Versorgungsforschung über Qualitäts- und Evaluationsprojekte bis hin zu Organisationsanalysen und Wirkungsforschung.
Ob in der Sozialen Arbeit, der Kindheitspädagogik oder der Evangelischen Religions- und Gemeindepädagogik – Forschung dient dabei stets dem Ziel, Praxis besser zu verstehen, professionelle Handlungskonzepte weiterzuentwickeln und gesellschaftliche Herausforderungen wissenschaftlich fundiert zu bearbeiten. Forschung wird dabei nicht nur gelernt, sondern aktiv betrieben – gemeinsam mit Praxispartnern und orientiert an den Herausforderungen gesellschaftlicher Entwicklung.
Studiengang Pflege, Schwerpunkt: Community Health Nursing (CHN) / Advanced Nursing Practice (ANP) (Master of Science) berufsbegleitend
Thema "Diabetesmanagement"
Im Studiengang Pflege, Schwerpunkt: Community Health Nursing (CHN) / Advanced Nursing Practice (ANP) erhielten die Studierenden im Modul “Diabetesmanagement“ (MAP 6) die Aufgabe, anhand einer individuellen Kasuistik eines von Diabetes mellitus betroffenen Menschen spezifische Probleme fachlich zu analysieren und zu benennen. Hilfreiche Modelle für die Analyse konnten das biopsychosoziale Modell oder das transtheoretische Modell der Verhaltensänderung (DiClemente/Prochaska) sein. Aus der Menge der identifizierten Probleme dieser Betroffenen sollte dann eines der Themen, begründet durch eine wissenschaftliche Fragestellung, weiterverfolgt werden. So wurden einerseits die Fähigkeit zur differenzierten Problemanalyse gefördert, andererseits die wissenschaftliche Herangehensweise zur Lösung individueller Herausforderungen im Diabetesmanagement gestärkt.
Unter Zuhilfenahme einer Literaturrecherche wurden zunächst Lösungsansätze in wissenschaftlichen Publikationen gesucht.
Waren bereits Lösungsansätze vorhanden, die sich auf die individuelle Betroffenensituation, vielleicht auch nur teilweise, übertragen ließen?
Welche Lösungen wären darüber hinaus denkbar?
Wie könnte der Beitrag einer zukünftigen CHN in genau diesem Fall aussehen?
Wo sollten in unserem Gesundheitssystem neue Strukturen entwickelt werden, um zielgerichtete Ergebnisse zu erzielen?
Ziel und Rahmenbedingungen
Ziel war es, die sehr unterschiedlichen Situationen der betroffenen Menschen zu erfassen und zu individuellen Lösungen zu gelangen. Die Erkrankung an Diabetes mellitus hängt nicht nur von den unterschiedlichen Klassifikationen ab. Vielmehr ist die individuelle Situation der Betroffenen zu berücksichtigen, um zielgerichtete Hilfen anbieten zu können. Die Studierenden im Studiengang Pflege, Schwerpunkt CHN / ANP sollten den Blick auf den Menschen in seiner Vielfalt behalten. Die Hausarbeit wurde als Modulabschlussprüfung bewertet.
Ansprechpartnerin: Prof. Dr. Sigrun Simolka, Professorin für angewandte Pflegewissenschaft
Projekt 1: "Wie kann Harm Reduction Nursing die Therapieadhärenz bei Menschen mit einer Alkoholsucht und Diabetes Mellitus Typ 3c stärken?"
Eine biopsychosoziale Analyse einer Fallkasuistik
Ausgangslage:
Menschen mit alkoholassoziiertem Diabetes mellitus Typ 3c, exokriner Pankreasinsuffizienz und chronischer Alkoholsucht haben ein erhöhtes Risiko für schwere Stoffwechselentgleisungen (Morris 2018, S. 22; Wang et al. 2026, S. 272, 277).
Pflegeherausforderung und Ansatz:
Starke Glukoseschwankungen sollen möglichst vermieden werden ohne Alkoholabstinenz dafür vorauszusetzen. Ein geeigneter Ansatz ist „Harm Reduction“, das sich an den individuellen Lebens- und Verhaltensmustern von betroffenen Personen mit einer Substanzgebrauchsstörung orientiert. Es umfasst praktische und gesundheitspolitische Strategien zur Verringerung psychosozialer, wirtschaftlicher und biologischer Schäden, ohne Abstinenz zu erwarten (Pereira et al. 2020, S. 2). Pflegefachpersonen können diese Maßnahmen aufgrund ihrer Versorgungsnähe besonders gut umsetzen (Abram et al. 2025, S. 3). Ausgangspunkt der Auseinandersetzung ist eine Fallanalyse mithilfe der biopsychosozialen Perspektive.
Einordnung der Arbeit:
Die Arbeit entstand im Rahmen der Abschlussprüfung im Masterstudiengang Pflege, Schwerpunkt: Community Health Nursing (CHN) / Advanced Nursing Practice (ANP) im Modul „Diabetesmanagement“.
Die Literaturanalyse untersuchte Harm Reduction bzw. Harm Reduction Nursing als Handlungsoption zur professionellen Begleitung des Diabetesmanagements von Menschen mit chronischem Alkoholabusus und Diabetes mellitus Typ 3c.
Fragestellung:
Wie kann Harm Reduction Nursing die Therapieadhärenz bei Menschen mit einer Alkoholsucht und Diabetes Mellitus Typ 3c stärken?
Mit Hilfe einer strukturierten Literaturrecherche in PubMed, CINAHL und der Bibliothek der Evangelischen Hochschule Dresden wurden Publikationen gefunden. Auf der Grundlage einer biopsychosozialen Perspektive (vgl. Engels) führte die Autorin zunächst eine Fallanalyse zu einer betroffenen Person durch und leitete Pflegediagnosen mittels North American Nursing Diagnosis Association International (NANDA-I) daraus ab. Die gefundene Literatur wurde anschließend auf die Relevanz für den spezifischen Fall hin überprüft.
Es wurde ein Literaturscreening von 18 Publikationen durchgeführt. Davon konnten zwei Publikationen in die weitere Analyse und Beantwortung der Forschungsfrage einbezogen werden (Pauly et al. 2019; Smith-Bernardin et al. 2022). Das sog. „Managed Alcohol Program“ (MAP) fungierte in beiden Studien als sozial geschützter Raum, der pflegerisch-medizinische Versorgung und Schadensminimierung miteinander verknüpfte. Zu den pflegerischen Interventionen gehörten eine standardisierte Alkoholdosierung nach Assessment, das Monitoring möglicher Intoxikationen, die medizinisch-pflegerische
Basisversorgung sowie die Entwicklung individueller Pflege- und Unterstützungspläne. In mehreren Programmen agierten Pflegefachpersonen als zentrale Akteur*innen, etwa bei klinischen Einschätzungen, Dosierungsentscheidungen oder in pflegegeleiteten Einrichtungen (Pauly 2026, S. 2 f.).
Beide Studien zeigen übereinstimmend Verbesserungen zu biopsychosozialen Effekten wie die Reduktion akuter alkoholbedingter Schäden, die Stabilisierung von Ernährung, Schlaf und allgemeiner Gesundheit sowie verbesserter sozialer Integration (Pauly et al. 2019, S. 11; Smith-Bernardin et al. 2022., S.3f.). Eine positive Beeinflussung der Therapieadhärenz wurde dabei nicht untersucht und kann lediglich indirekt aus den Outcomes abgeleitet werden.
Diskussion
Strukturelle Rahmenbedingungen: Für die Umsetzung dieses patient*innenorientierten Ansatzes bestehen im aktuellen regionalen Gesundheits- und Sozialwesen strukturelle Herausforderungen und auch Hindernisse.
Pflegerische Konsequenzen: Die ausgewerteten Publikationen zeigen, dass die Versorgung von Menschen mit alkoholassoziiertem Diabetes mellitus Typ 3c und einer chronischen Suchterkrankung eine biopsychosoziale Perspektive sowie schadensminimierende Ansätze erfordern (Alzahrani 2024, S. 213 f.). Dabei werden enge Zusammenhänge zwischen Gesundheits- und Sozialverhalten im Kontext von Sucht und den Umgang mit bspw. einer Diabeteserkrankung aufgezeigt.
Ausblick für die Praxis: Es lassen sich daraus pflegerische Handlungsansätze ableiten, die ein niederschwelliges Diabetesmanagement unterstützen, ohne Alkoholabstinenz voraussetzen zu müssen.
Fazit
Die Literaturrecherche weist auf weiteren Forschungsbedarf im Bereich des schadensminimierenden Diabetesmanagements bei alkoholassoziiertem Diabetes Typ 3c hin (Abram et al. 2025, S. 5; Carney et al. 2025). Die Ergebnisse dieser Arbeit sind als richtungsweisend zu verstehen. Community Health Nurses könnten bei der praktischen Umsetzung von HRN eine Schlüsselrolle spielen (Smith-Bernardin et al. 2022, S. 17).
- Abram, Marissa D.; Jugdoyal, Adrian; Seabra, Paulo; Murphy-Parker, Dana; Searby, Adam (2025): Harm Reduction as a Form of 'Wrap-Around' Care: The Nursing Role. In: International journal of mental health nursing 34 (1), e13436. DOI: 10.1111/inm.13436.
- Alzahrani, Salman Salem (2024): The Association Between Substance Use And Diabetes-Related Complications: A Systematic Review. In: Rev Diabet Stud, S. 212 228. DOI: 10.70082/tgtpkp87.
- Carney, Brittany L.; Loukas, Vanessa; LaBelle, Colleen T. (2025): Harm Reduction Is Nursing Practice. In: The American journal of nursing 125 (2), S. 8. DOI: 10.1097/AJN.0000000000000011.
- Morris, David (2018): Diabetes arising from pancreatic exocrine problems. In: Independent Nurse 2018 (10), S. 21–24. DOI: 10.12968/indn.2018.10.21.
- Pauly, B.; Brown, M.; Evans, J.; Gray, E.; Schiff, R.; Ivsins, A. et al. (2019): "There is a Place": impacts of managed alcohol programs for people experiencing severe alcohol dependence and homelessness. In: Harm reduction journal 16 (1), S. 70. DOI: 10.1186/s12954-019-0332-4.
- Pauly, Bernie et al. (2026): Overview of Managed Alcohol Program (MAP) sites in Canada (and beyond). Unter Mitarbeit von Tim Stockwell, Jinhui Zhao, Sybil Goulet Stock, Dierdre Ratenberg, Brittany Graham, Jenny Cartwright. Hg. v. University of Victoria Canadian Institute for Substance Use Research. Victoria BC. Verfügbar unter: www.uvic.ca/research/centres/cisur/assets/docs/resource-overview-of MAP-sites-in-Canada.pdf, zuletzt aktualisiert am January 2026.
- Pereira, S.S. et al. (2020) Concepções de redução de danos: discursos de profissionais de enfermagem da atenção primária à saúde. Revista Brasileira de Enfermagem 73 (1), e20200021. DOI: 10.1590/0034-7167-2020-0021.
- Smith-Bernardin, Shannon M.; Suen, Leslie W.; Barr-Walker, Jill; Cuervo, Isabel Arrellano; Handley, Margaret A. (2022): Scoping review of managed alcohol programs. In: Harm reduction journal 19 (1), S. 82. DOI: 10.1186/s12954-022-00646 0.
- Wang, Fan; Görgülü, Kivanç; Algül, Hana; Hu, Liang-Hao (2026): The Role of Alcohol in Pancreatic Diseases: A Comprehensive Perspective. In: Gastroenterology 170 (2), S. 268–286. DOI: 10.1053/j.gastro.2025.08.025.
Projekt 2: "Übergang von der Pädiatrie zur Erwachsenenmedizin bei Typ-1-Diabetes"
Präventive Maßnahmen zur Reduktion von Ketoazidose und Hypoglykämie
Autorin: Casjupea Knispel
Juni 2026
Kontakt: EHS5684
stud.ehs-dresden.de
Hintergrund:
Diabetes mellitus Typ 1 (T1D) gehört zu den häufigsten chronischen Stoffwechselerkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Eine stabile glykämische Kontrolle ist essenziell, um akute Komplikationen wie Hypoglykämien und diabetische Ketoazidosen sowie langfristige Folgeerkrankungen zu vermeiden. Besonders herausfordernd ist die Übergangsphase von der pädiatrischen in die Erwachsenenversorgung bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 29 Jahren, die häufig mit Versorgungsbrüchen, unzureichender Stoffwechselkontrolle und einem erhöhten Risiko für Komplikationen einhergeht (Buchmann et al. 2023). Vor diesem Hintergrund ergibt sich folgende Forschungsfrage: Wie wirken sich präventive Maßnahmen und strukturierte Übergangsprogramme (Transition) bei jungen Erwachsenen von der pädiatrischen zur Erwachsenenmedizin auf das Management von Typ-1-Diabetes und die Vermeidung von akuten Komplikationen wie Ketoazidose und Hypoglykämie aus?
Die Autorin analysierte diese Problemlagen anhand der Kasuistik eines 18-jährigen Patienten mit T1D, der im Rahmen des Übergangsprozesses wegen einer Ketoazidose stationär behandelt werden musste.
Ziel:
Ziel dieser Arbeit war es, den Einfluss präventiver Maßnahmen und strukturierter Transitionsprogramme auf das Diabetesmanagement sowie die Vermeidung akuter Komplikationen zu untersuchen. Die Literatur zeigt, dass bis zu 40 % der Betroffenen in dieser Phase den Kontakt zur medizinischen Versorgung verlieren und häufig erst bei Auftreten akuter Ereignisse wieder angebunden werden. Ursachen hierfür sind unter anderem unzureichende interprofessionelle Kommunikation, fehlende strukturierte Übergangsprozesse sowie entwicklungsbedingte psychosoziale Belastungen. Die Ergebnisse der Literaturrecherche wurden auf die Übertragbarkeit auf den individuellen Fall überprüft
Die Beantwortung der Forschungsfrage erfolgte durch eine Literaturrecherche in PubMed sowie ergänzend über Google Scholar. Berücksichtigt wurden Studien, Übersichtsarbeiten und Leitlinien zur Übergangsversorgung von der pädiatrischen in die Erwachsenenmedizin bei chronischen Erkrankungen, insbesondere Typ-1-Diabetes.
Die Ergebnisse zeigen, dass strukturierte, multiprofessionelle Transitionsprogramme die glykämische Kontrolle, das Selbstmanagement und die Versorgungskontinuität verbessern. Besonders wirksam erweisen sich familienzentrierte Ansätze und die gezielte Förderung von Selbstmanagementkompetenzen (American Diabetes Association 2025: 286). Der Fall verdeutlicht, dass unzureichende Übergangsstrukturen eine Destabilisierung der Stoffwechselkontrolle begünstigen und damit den Nutzen koordinierter, multiprofessioneller und familienorientierter Interventionen unterstreichen. Studien belegen zudem, dass eine systematische Abstimmung zwischen pädiatrischer und internistischer Versorgung die interprofessionelle Kontinuität nachhaltig stärkt (Fröhlich-Reiterer 2020). Pflegefachpersonen übernehmen dabei eine zentrale Rolle in Schulung, Beratung und psychosozialer Unterstützung.
Insgesamt verdeutlichen die Befunde die hohe Relevanz einer frühzeitigen, strukturierten und interprofessionell koordinierten Gestaltung der Transition von der pädiatrischen in die Erwachsenenversorgung. Eine solche Übergangsgestaltung sollte bereits im Jugendalter beginnen und sowohl medizinische als auch psychosoziale Aspekte systematisch berücksichtigen (American Diabetes Association 2025 286). Zentrale Bestandteile sind klar definierte Verantwortlichkeiten, eine kontinuierliche Betreuung durch ein multiprofessionelles Team sowie eine enge Kommunikation zwischen allen beteiligten Fachdisziplinen (Holman et al. 2023).
- American Diabetes Association (2025). 14. Children and Adolescents: Standards of Care in Diabetes-2025. Diabetes care 48 (1 Suppl 1), S283-S305. doi.org/10.2337/dc25-S014.
- Buchmann, Maike/Tuncer, Oktay/Auzanneau, Marie/Eckert, Alexander J./Rosenbauer, Joachim/Reitzle, Lukas/Heidemann, Christin/Holl, Reinhard W./Thamm, Roma (2023). Inzidenz, Prävalenz und Versorgung von Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland: Zeittrends und sozialräumliche Lage. Journal of Health Monitoring (2), 59–81. doi.org/10.25646/11385.2.
- Fröhlich-Reiterer, Elke (2020). Transition bei Jugendlichen mit Typ-1-Diabetes mellitus. Journal für Klinische Endokrinologie und Stoffwechsel 13 (3), 135–137. doi.org/10.1007/s41969-020-00108-7.
- Holman, Naomi/Woch, Emilia/Dayan, Colin/Warner, Justin/Robinson, Holly/Young, Bob/Elliott, Jackie (2023). National Trends in Hyperglycemia and Diabetic Ketoacidosis in Children, Adolescents, and Young Adults With Type 1 Diabetes: A Challenge Due to Age or Stage of Development, or Is New Thinking About Service Provision Needed? Diabetes care 46 (7), 1404–1408. doi.org/10.2337/dc23-0180.
Projekt 3: "Förderung von Therapieadhärenz und Selbstmanagement bei Diabetes mellitus Typ 2"
Analyse einer Kasuistik im Context von Community Health Nursing (CHN) und Advanced Nursing Practice (ANP)
Autorin: Sarah Junold
Juni 2026
Hintergrund:
Die Versorgung von Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 erfordert neben der medizinischen Therapie ein effektives Selbstmanagement sowie ein vertieftes Krankheitsverständnis. Am Fallbeispiel eines von einer bereits zweiten Zehenamputation Betroffenen werden Ursachen einer fehlenden Therapieadhärenz herausgearbeitet, die diese schwerwiegende Komplikation begünstigen. Pflegefachpersonen in erweiterten Rollen könnten hier insbesondere bei der Begleitung der zu behandelnden Personen eine zentrale Funktion übernehmen und maßgeblich zum Therapieerfolg beitragen.
Ziel:
Die Arbeit untersucht anhand dieser individuellen Kasuistik die biopsychosozialen Problemlagen. Sie zielt darauf ab, grundsätzlich geeignete pflegerische Interventionen zur Förderung der Therapieadhärenz und des effektiven Selbstmanagements abzuleiten sowie fallspezifische Lösungsansätze zu entwickeln.
Es wurde eine fallbasierte Analyse eines Patienten mit schlecht eingestelltem Diabetes mellitus Typ 2 durchgeführt, um Problemlagen aus diabetologischer, psychologischer und sozialer Perspektive zu erfassen. Außerdem wurden die Pflegediagnosen nach NANDA-I herangezogen. Diese haben den Vorteil, dass aus Pflegediagnosen individuelle Pflegeinterventionen entwickelt werden können (Kamitsuru et al. 2025). Zur Erarbeitung von Lösungsansätzen erfolgte eine Literaturrecherche in PubMed und Livivo unter Berücksichtigung aktueller Studien der letzten 10 Jahre. Die Ergebnisse wurden anschließend zur Entwicklung fallbezogener Interventionsstrategien herangezogen.
12 Studien konnten zur Beantwortung der Fragestellung herangezogen werden. Multimodale und langfristige Interventionen zeigen die größte Wirksamkeit (vgl. Han et al. 2025, 17). Pflegegeleitete interdisziplinäre Schulungen (Han et al. 2025; vgl.Whitehead et al. 2017), pflegegeleitete interdisziplinäre Teams (Han et al. 2025, 18; vgl. Guo et al. 2019, 1355ff), patientenzentrierte Kommunikationsansätze wie Motivational Interviewing (vgl. Asante et al. 2025, S. 96; vgl.Han et al. 2025, 17; vgl. Hunt 2013, S. 103; vgl. La Fuente Coria et al. 2020, S. 7; vgl. Uludag und Kasikçi 2024, 263ff.) oder Shared Decision Making, digitale Anwendungen ( vgl. Kim et al. 2022; vgl.Kusnanto et al. 2019; vgl. Xin et al. 2024) und telemedizinische Ansätze (vgl. Han et al. 2025, 18; vgl. Hunt 2013, S. 103; vgl. Shaban et al. 2024, 1f, 10) verbessern die Adhärenz und unterstützen die Krankheitsbewältigung. Im Fallbeispiel sind insbesondere ressourcenorientierte Beratung und alltagsintegrierbare Therapieformen entscheidend, um das Selbstmanagement nachhaltig zu verbessern.
Schlussfolgerung:
Die Förderung von Selbstmanagement und Therapieadhärenz erfordert ganzheitliche, individualisierte und langfristig angelegte pflegerisch geleitete Interventionen. Solche Interventionen können zu einer nachhaltig verbesserten metabolischen Kontrolle und zu einem erweiterten Krankheitsverständnis beitragen.
Ausblick:
Der Ausbau von Community-Health-Nursing- und Advanced-Nursing-Practice-Strukturen sowie die Integration digitaler Gesundheitslösungen bieten großes Potenzial, die Versorgung chronisch erkrankter Menschen nachhaltig zu verbessern und Versorgungslücken zu schließen.
1) Asante, Ernest; Carter, Gillian; McAneney, Helen; Bam, Victoria; Sarfo-Kantanka, Osei; Prue, Gillian (2025): Nurse-Led Mobile Phone Intervention to Promote Self-Management in Type 2 Diabetes in Ghana: A Randomized Controlled Trial. In: The science of diabetes self-management and care 51 (1), S. 85–99. DOI: 10.1177/26350106241293113.
2) Guo, Zhihua; Liu, Jing; Zeng, Hui; He, Guoping; Ren, Xiaohong; Guo, Jia (2019): Feasibility and efficacy of nurse-led team management intervention for improving the self-management of type 2 diabetes patients in a Chinese community: a randomized controlled trial. In: Patient preference and adherence 13, S. 1353–1362. DOI: 10.2147/PPA.S213645.
3) Han, Wen Rui; Zhang, Min; Zhang, Yi Fan (2025): Effectiveness of Nurse-Led Self-Management Interventions on Self-Management Behaviours and Self-Efficacy in Individuals With Type 2 Diabetes: A Systematic Review and Meta-Analysis. In: International journal of nursing practice 31 (5), e70070. DOI: 10.1111/ijn.70070.
4) Hunt, Caralise W. (2013): Self-care management strategies among individuals living with type 2 diabetes mellitus: nursing interventions. In: NRR, S. 99. DOI: 10.2147/NRR.S49406.
5) Kamitsuru, Shigemi; Herdman, T. Heather; Lopes, Camila (Hg.) (2025): NANDA-I-Pflegediagnosen: Definitionen und Klassifikation 2024-2026. RECOM GmbH & Co. KG. 4. Auflage. Kassel: Thieme RECOM. Online verfügbar unter permalink.obvsg.at/AC17652467.
6) Kim, Yeojin; Lee, Hyejin; Seo, Ji Min (2022): Integrated Diabetes Self-Management Program Using Smartphone Application: A Randomized Controlled Trial. In: Western journal of nursing research 44 (4), S. 383–394. DOI: 10.1177/0193945921994912.
7) Kusnanto; Widyanata, Komang Agus Jerry; Suprajitno; Arifin, Hidayat (2019): DM-calendar app as a diabetes self-management education on adult type 2 diabetes mellitus: a randomized controlled trial. In: Journal of diabetes and metabolic disorders 18 (2), S. 557–563. DOI: 10.1007/s40200-019-00468-1.
8) La Fuente Coria, M. C. de; Cruz-Cobo, C.; Santi-Cano, M. J. (2020): Effectiveness of a primary care nurse delivered educational intervention for patients with type 2 diabetes mellitus in promoting metabolic control and compliance with long-term therapeutic targets: Randomised controlled trial. In: International journal of nursing studies 101, S. 103417. DOI: 10.1016/j.ijnurstu.2019.103417.
10) Shaban, Marwa Mamdouh; Sharaa, Heba Magdy; Amer, Fatma Gomaa Mohamed; Shaban, Mostafa (2024): Effect of digital based nursing intervention on knowledge of self-care behaviors and self-efficacy of adult clients with diabetes. In: BMC nursing 23 (1), S. 130. DOI: 10.1186/s12912-024-01787-2.
11) Uludag, Elanur; Kasikçi, Magfiret (2024): Motivational Interviewing With Pender's Health Promotions Model: Diabetics Self-Management Behavior. In: Nursing science quarterly 37 (3), S. 255–265. DOI: 10.1177/08943184241247011.
12) Whitehead, Lisa C.; Crowe, Marie T.; Carter, Janet D.; Maskill, Virginia R.; Carlyle, Dave; Bugge, Carol; Frampton, Chris M. A. (2017): A nurse-led interdisciplinary approach to promote self-management of type 2 diabetes: a process evaluation of post-intervention experiences. In: Journal of evaluation in clinical practice 23 (2), S. 264–271. DOI: 10.1111/jep.12594.
13) Xin, Hong; Feng, Jing; Zhou, Bei; Ouyang, Fei; Shao, Hongxia; Xia, Chenglong; Chen, Min (2024): Nursing interventions guided by the theory of stress and adaptation improve the self-management ability of T2DM patients. In: American journal of translational research 16 (12), S. 7734–7741. DOI: 10.62347/NBKN4311.
