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Modellprojekt Ganztagspiloten

Modellhafter Schulentwicklungsprozess an ausgewählten sächsischen Standorten
Laufzeit: 09/2022-09/2026


Kurzbeschreibung

Das Modellvorhaben „Ganztagspiloten“ zielte darauf, einen für Sachsen modellhaften Schulentwicklungsprozess an ausgewählten Standorten voranzubringen, in dem die Angebote Schule, Hort und Ganztag im Interesse der Schüler:innen und Erwachsenen besser miteinander verzahnt und im Alltag rhythmisiert werden. Die Entwicklungsprozesse an den Standorten wurden wissenschaftlich begleitet.


Modellprojekt „Ganztagspiloten“ erfolgreich abgeschlossen

Das Modellprojekt „Ganztagspiloten“ wurde im September 2026 erfolgreich abgeschlossen. Über vier Jahre hinweg haben elf Modellstandorte in Sachsen gemeinsam mit der wissenschaftlichen Prozessbegleitung daran gearbeitet, den Ganztag im Primarbereich stärker an den Bedürfnissen der Kinder auszurichten und zu rhythmisieren. Die Entwicklungsprozesse wurden begleitend wissenschaftlich evaluiert.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich ein rhythmisierter Ganztag auch unter unterschiedlichen strukturellen und organisatorischen Bedingungen gestalten lassen kann. An den Modellstandorten wurden vielfältige, praxistaugliche Lösungen erarbeitet und erprobt. Die daraus gewonnenen Erfahrungen und Erkenntnisse wurden systematisch aufbereitet und zu Elementen des rhythmisierten Ganztags in Sachsen gebündelt. Sie zeigen konkrete Gestaltungsmöglichkeiten auf, benennen Mehrwerte und Herausforderungen und bieten Orientierung für andere Schulen und Horte. Zugleich verdeutlicht das Projekt, dass der rhythmisierte Ganztag weit mehr ist als ein Ganztag mit veränderter Zeitstruktur. Er erfordert und stärkt eine gemeinsame pädagogische Zusammenarbeit sowie Verantwortung von Schule und Hort, geeignete Abläufe und Angebote für die Kinder sowie eine kontinuierliche Schul- und Hortentwicklung unter Berücksichtigung der Bedarfe aller Beteiligten.

Die zentralen Erkenntnisse, Gelingensbedingungen und Handlungsempfehlungen wurden in einem Abschlussbericht zusammengeführt und dem Sächsischen Staatsministerium für Kultus (SMK) als Auftraggeber übergeben. Ergänzend wurden eine Ergebnis- und Praxisbroschüre sowie abschließende Standortaufsteller mit den Entwicklungen an den elf Modellstandorten erstellt. Die Materialien werden demnächst auf der Internetseite des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus digital verfügbar sein und interessierten Schulen und Horten Anregungen für die Weiterentwicklung ganztägiger Bildung in Sachsen bieten.

Für Fragen zu Projektergebnissen, zur praktischen Umsetzung oder zum fachlichen Austausch stehen folgende Ansprechpersonen des Zentrums auch nach Projektabschluss gern zur Verfügung:

Schneider, Manuel; Prozessbegleitung; E-Mail: manuel.schneider@ehs-dresden.de

Schneider, Petra; Evaluation; E-Mail: petra.schneider@ehs-dresden.de

Rückblick auf die Abschlussveranstaltung am 24.06.2026

Am 24. Juni 2026 fand im Sächsischen Staatsministerium für Kultus die feierliche Abschlussveranstaltung des Modellprojekts „Ganztagspiloten“ statt. 

Die Veranstaltung begann mit einem internen Treffen der Vertreter:innen der Modellstandorte, der ihnen Raum für einen internen Rückblick bot. An der anschließenden offiziellen Veranstaltung nahmen Verantwortliche der Schul- und Hortträger, des Landesamtes für Schule und Bildung, des Landesjugendamtes, weitere Kooperationspartner:innen und Verantwortliche des Sächsischen Staatsministeriums für Kultus teil.

Im Mittelpunkt stand die Präsentation der zentralen Entwicklungen und Erfahrungen, die die beteiligten Horte und Schulen von 2022 bis 2026 auf dem Weg zu einem rhythmisierten Ganztag gesammelt haben.

In wertschätzenden Worten hob Wilfried Kühner, Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Kultus, die Bedeutung des Engagements der beteiligten Standorte hervor. Auch die Projektverantwortlichen und zwei Vertreter:innen der Standorte würdigten die geleistete Entwicklungsarbeit und stellten zentrale inhaltliche Schwerpunkte heraus. Für einen musikalischen Rahmen sorgte der Kinderchor der Dittes-Grundschule in Wilkau-Haßlau.

Besonders eindrucksvoll war der anschließende Gallery Walk: Hier konnten die Gäste an den Standortaufstellern direkt mit den Vertreter:innen der Modellstandorte ins Gespräch kommen und sich über die vielfältigen Ansätze und Erfolge austauschen.

Die Veranstaltung bot eine wertvolle Plattform für Vernetzung und Dialog zwischen den Akteur:innen aus Hort, Schule und verschiedenen Kooperationspartnern des sächsischen Ganztags. Das große Engagement aller Beteiligten wurde spürbar und macht Mut für die weitere Entwicklung ganztägiger Bildungsangebote in Sachsen.

Wir danken allen Wegbegleiter:innen, Partnern und Unterstützenden für ihr Engagement und blicken stolz auf die gemeinsamen Erfolge zurück!

Fotos: Jannis Alden Foster

Ausgangssituation

Seit nunmehr 20 Jahren gibt es in Deutschland Bemühungen um einen Ausbau von Ganztagsangeboten. Diese haben das Ziel, Lern- und Fördermöglichkeiten für die Schüler:innen über den klassischen Fächerkanon hinaus zu erweitern und vielfältige Bildungsgelegenheiten im Verlauf des Tages zu schaffen.

 

Bisherige Forschungen zeigen, dass die Akzeptanz und Zufriedenheit gegenüber Ganztagsangeboten sowohl auf Seiten der Lehrkräfte als auch auf Seiten der Schüler:innen und Eltern gleichermaßen hoch ist und sie die Attraktivität von Schulen erhöhen. Ganztagsangebote sind ein wesentliches Element, um der heterogenen Schülerschaft und den damit verbundenen individuelle Bedürfnissen in höherem Maße als bisher gerecht zu werden. Sie sind in der Lage, die Bildungschancen der Kinder zu verbessern. Bisher sind Ganztagsangebote aber im Ablauf des Schultages klar von den Unterrichtseinheiten getrennt. Im Modellprojekt soll erreicht werden, dass sie in den Schulalltag involviert werden.


Dabei gilt Rhythmisierung als Schlüsselelement ganztägig organisierter Bildung. Rhythmisierung bedeutet eine übergreifende Planung des Schultages über den Vormittag hinaus. Wesentlich ist eine Organisation von Arbeitsphasen, die sich nicht am 45-Minutentakt der Schulstunden orientiert, sondern längere Zeiträume ermöglicht und sich Anspannungs- und Entspannungsphasen abwechseln. In Sachsen gibt es bereits flächendeckend und langjährige Erfahrungen mit einer Ganztagsbetreuung, jedoch weniger mit einer Rhythmisierung.

Verbunden mit einer ganztägigen Rhythmisierung sind Unsicherheiten an den Standorten, die auch Einfluss nehmen können auf die Qualität der Angebote und die Lernergebnisse der Schüler:innen. Einerseits geht es um die bedürfnisorientierte Bereitstellung von unterschiedlichen Bildungsgelegenheiten. Andererseits geht es um die gemeinsame Ausgestaltung dieser Gelegenheiten in enger Kooperation von Schule, Hort und externen Anbietern. Eine Schwierigkeit besteht u.a. darin, dass unterschiedliche Trägerstrukturen und Gesetzesgrundlagen nicht-hierarchische Kooperationsformen erschweren.

Frage-/Zielstellung

Ziel des Modellvorhabens war es, Empfehlungen sowie Gelingensbedingungen für die Zusammenarbeit von Schule, Hort und GTA in Sachsen zu formulieren. Konkret ging es darum:

  • Schule, Hort und GTA als Einheit zu denken und eine gemeinsame Lernumgebung für die Grundschulkinder zu schaffen
  • pädagogisch-organisationale Modelle der verzahnten Zusammenarbeit zu erproben und zu entwickeln  
  • die involvierten Akteur:innen in ihrer konzeptionellen Arbeit/ Entwicklung zu begleiten, zu unterstützen und zu schulen
  • die  Professionalisierung durch das Angebot von Austausch- und Fortbildungsformaten voranzutreiben
  • den Netzwerkaufbau der Fachkräfte zu befördern sowie
  • die begleiteten Prozesse zu dokumentieren und davon Ableitungen zu treffen

Vorgehen

Um die definierten Zielstellungen des Modellvorhabens „Ganztagspiloten“ zu erreichen, fand eine kontinuierliche wissenschaftliche Prozessbegleitung statt. Sie diente der Planung, Koordination und Unterstützung der Gesamtheit der Prozesse sowie der Beratung, Begleitung und Vernetzung der Akteur:innen vor Ort. Die Prozessbegleitung umfasste Formate wie Fortbildungsveranstaltungen, Netzwerktreffen und individuelle Arbeitstreffen/Workshops.

Die Evaluation war komplementärer Teil der wissenschaftlichen Prozessbegleitung. Der Evaluationsgegenstand war das Modellvorhaben in seiner Gänze sowie die evozierten Entwicklungsprozesse an den ausgewählten Standorten. Es wurden sowohl der Gesamtprozess als auch einzelne Meilensteine ins Visier genommen. Als Evaluationsmodell wurde der „Programmbaum“ (Nutzerorientierte Evaluation) zugrunde gelegt.

Kooperationspartner:innen

Das Modellvorhaben wurde in Kooperation mit Modellstandorten, jeweils bestehend aus Schule und Hort, in Sachsen realisiert:

1) Marienberg

Förderzentrum „Johann Heinrich Pestalozzi“ 
Hort Bergstadtkids

2) Obercarsdorf 

Förderzentrum „Oberes Osterzgebirge“ 
Ganztagsbetreuungseinrichtung Obercarsdorf

3) Zwickau

DPFA-Regenbogen-Grundschule
„Carl Friedrich Benz“

DPFA-Regenbogenhort Zwickau

4) Großnaundorf

Freie Keulenbergschule -
Evangelische Oberschule+ Großnaundorf

Hort der Freien Keulenbergschule

5) Cunewalde

Grundschule „Friedrich Schiller“

AWO-Hort „Die Räuber“

6) Oßling

Kastanienschule Oßling-Grundschule

Kindertagesstätte „Knirpsenland“

7) Mulda

Grundschule Mulda

Naturhort Mulda

8) Chemnitz

Anton-Semjonowitsch-Makarenko-Grundschule

Hort A.-S.-Makarenko-Grundschule

9) Leipzig

Geschwister-Scholl-Schule/
Grundschule der Stadt Leipzig

Hort an der Geschwister-Scholl-Grundschule

10) Wilkau-Haßlau 

Dittes-Grundschule

Kindereinrichtung „Tintenklecks“

11) Thalheim

Grundschule Thalheim

"Drei-Tannen-Hort" Thalheim

 

Das Modellvorhaben wurde beauftragt und finanziert durch das Sächsische Staatsministerium für Kultus (SMK).

Finanzierung

Diese Maßnahme wurde (mit-)finanziert durch Steuermittel auf der Grundlage des vom Sächsischen Landtag beschlossenen Haushaltes.