Startseite
Startseite

"Immer einen Plan B haben."

Uta Leonhardt

Abschlussjahr:

2023

 

Studiengang:

Kindheitspädagogik, Schwerpunkt: Führen und Leiten (B.A. | berufsbegleitend)

 

heutige Position:

Hortpädagogin


Mein Weg zum Studium

Zur Zeit meiner Bewerbung an der ehs habe ich als Erzieherin in einer Kita gearbeitet und als Mentorin eine Studentin der ehs begleitet. Dadurch hatte ich schon einige Einblicke in das familiäre Lernumfeld und das Studienfach der Kindheitspädagogik, merkte aber auch, wie begrenzt mein Wissen noch war und dass mir in vielen Bereichen, wie zum Beispiel in Kommunikations- und Konfliktmanagement, Handlungsstrategien fehlen.  Ich verspürte einen inneren Drang, mich in der Pädagogik weiterzubilden, nicht auf der Stelle zu treten und für später – wenn die direkte Arbeit am Kind vielleicht zu einer zu hohen Belastung wird – einen Plan B zu haben und in eine Leitungsposition gehen zu können.

Überdies hatte ich einige Lehrkräfte bei meiner Erzieher:innenausbildung am DRK, die ich fachlich und methodisch sehr schätzte, die von der ehs kamen. Dies hatte mein Interesse an dieser Hochschule schon am Anfang meiner pädagogischen Laufbahn sehr geweckt.

Ich habe mich demnach sehr bewusst, nach einem abgeschlossenen Germanistikstudium an der TU Dresden (2003-2010) und der Erzieher:innenausbildung (2013-2016), dazu entschlossen, ein weiteres Mal die Schulbank zu drücken, um meine pädagogischen Kompetenzen zu erweitern und ein Studium an der ehs in meinen Erfahrungshorizont mit aufnehmen zu können.


Prägende Momente während des Studiums

Eines der durchweg positiven und prägenden Erfahrungen waren die Gespräche mit den Kommiliton:innen – alle berufstätig, viele schon in Leitungspositionen, und jeder brachte Erfahrungen und Handlungsstrategien aus seinem Arbeitsumfeld mit, von denen man selbst profitieren konnte. Sehr bereichernd!

Ein Seminar, an das ich oft zurückdenke und was mich nachhaltig beeindruckt hat, war das Wahlseminar „Aktives Zuhören nach Carl Rogers“. Ich hatte in der zweiten Stunde eine Übung mit einer Studentin, die ich bis dahin nicht kannte. Sie hatte bereits Erfahrung mit der Methode und setzte in der gemeinsamen Übung das Aktive Zuhören so gut um, dass ich mich nach den 5 Minuten, die wir miteinander sprachen, total wertgeschätzt und gehört fühlte. Das war ein sehr praxisnaher Ansporn, mich selbst damit weiter zu beschäftigen, und ein wirklicher Aha-Moment, was gute Kommunikation beim Gegenüber alles bewirken kann.

Eine Aufgabe im Studium, auf die ich stolz war, sie gemeistert zu haben, war das Forschungsprojekt. Es war auch die Prüfungsleistung, vor der ich am meisten Respekt hatte. Mein Projekt drehte sich um Feedbackmöglichkeiten für Kinder, und ich ermittelte dazu sowohl quantitative als auch qualitative Daten mit Hilfe einer Gruppendiskussion. Die Nähe zu den Kindern in meiner Doppelrolle als Pädagogin und Forschende war dabei durchaus herausfordernd – und lehrreich.

Die Fertigstellung meiner Bachelorarbeit während der Krebstherapie unter der empathischen Begleitung von Frau Schwarke war aber letztendlich das Erlebnis, was einen festen Platz in meinem Herzen bekommen hat.


Meine Arbeit heute

Nachdem ich das berufsbegleitende Studium an der ehs begonnen hatte, musste ich mich beruflich neu orientieren. Ich fand eine Stelle als Hortpädagogin in einer Montessorischule in freier Trägerschaft. Da ich mir bis dahin die Arbeit mit Kindern im Grundschulalter eher weniger vorstellen konnte, war dies eine zufällige – aus der Not geborene – Fügung, die sowohl den perfekten Grundstein für die Beendigung des Studiums als auch für die praktische Umsetzung der Studieninhalte bot.

Auch nach Beendigung des Studiums 2023 bin ich der Einrichtung und meiner Position treu geblieben – einerseits aus gesundheitlichen Gründen, andererseits, weil mich die Arbeit bislang vollumfänglich erfüllt.

Neben der Arbeit am Kind betreue ich die Praktikant:innen und FSJ'ler:innen (Praxisanleiterausbildung 2025) und kann mich kreativ bei konzeptionellen Aufgaben austoben. So habe ich unter anderem die Entwicklungsgespräche strukturiert und visuell anschaulich aufbereitet und ein Beobachtungsinstrument für die Einrichtung entwickelt.

Die größten Herausforderungen sehe ich für mich immer noch in der Teamkultur – der unterschiedlichen Herangehensweise in herausfordernden Situationen, der Gesprächskultur untereinander und der Akzeptanz von Diversität im Team und der damit verbundenen Ressourcennutzung.


Mein Rat an heutige Studierende

Während des Studiums und in meiner Tätigkeit als Praxisanleiterin ist mir besonders aufgefallen, dass viele – und da nehme ich mich nicht aus – an ihren eigenen Ansprüchen und Erwartungen scheitern. Dabei sollten Herausforderungen öfter als Leiter betrachtet werden, bei denen man von Aufgabe zu Aufgabe – von Sprosse zu Sprosse steigt – das vor sich liegende fokussiert, ohne das große Ganze aus den Augen zu verlieren. Und wenn etwas mal nicht zur eigenen Zufriedenheit gelingt, bedeutet das nicht gleich, dass man von der Leiter fällt. Auf der Sprosse stehen bleiben, tief einatmen, einen Moment innehalten und es noch einmal versuchen. So bringen wir es auch Kindern nahe. Diese Fehlerfreundlichkeit und empathische Begleitung, mit der Wertschätzung für das schon Erreichte, sollten wir uns auch bei uns selbst zu Herzen nehmen. Öfter mal den Blick von außen auf sich lenken, mit den Augen, mit denen man auch andere und ihre herausfordernden Situationen betrachtet.


Der Wendepunkt

Ich hatte zwei Wendepunkte, die meinen Weg, beruflich und persönlich, geprägt haben.

Der erste Wendepunkt war zu Studienbeginn. Ich musste mich aufgrund unüberbrückbarer Differenzen und der Entscheidung zum berufsbegleitenden Studium beruflich neu orientieren. Ich fiel in ein tiefes, seelisches Loch. Die Kommunikation in der Einrichtung war geprägt von hierarchischen Strukturen und persönlichen Angriffen, was mich einerseits unsicher und selbstzweifelnd zurückließ, andererseits den Wunsch verstärkte, professioneller und wertschätzender in meinem Handeln und meiner Kommunikation zu werden.  Selbstreflexion und Perspektivwechsel – auch in emotional belastenden Situationen – sind seitdem umso wichtiger für mich geworden. Als Praxisanleiterin versuche ich, dies bewusst vorzuleben und niemals jemanden so fühlen zu lassen, wie ich mich damals gefühlt habe.

Den zweiten Wendepunkt gab es am Ende des Studiums. Zwei Monate vor Abgabe der Bachelorarbeit wurde bei mir Brustkrebs diagnostiziert. Und in dem Moment, wo alles stillstand und es um das reine Leben ging, entschied ich mich genau dafür – für das Leben und die Beendigung des Studiums während der Chemotherapie. Im Kampf gegen den Krebs war es der erste Schritt, der Krankheit nicht die Macht über meine Zukunft zu geben.