"Mein Studium hat mich zu einer bewussteren und besseren Pädagogin gemacht."
Theresia Süßmilch
Abschlussjahr:
2023
Studiengang:
Kindheitspädagogik (B.A. | Vollzeit)
heutige Position:
Inklusionsassistentin und Lehrerin für Handarbeit bei Freie Waldorfschule Dresden
Mein Weg zum Studium
Ich kann mich an keine Zeit in meinem Leben erinnern, in der ich mich nicht für soziale Themen interessiert habe. Es hat mich fasziniert, warum Menschen tun, was sie tun, wie sie denken und fühlen, und ich wollte natürlich auch mich selbst ergründen. Darum habe ich bereits meine ersten Schulpraktika in kunsttherapeutischen und sozialen Einrichtungen gemacht.
In meiner dem Studium vorangegangenen Ausbildung als Ergotherapeutin hat mich eine Kollegin zur interdisziplinären Fallberatung an der ehs mitgenommen. Ich war sofort begeistert vom Campus und habe mir gedacht: Wenn ich mal studiere, dann hier! Mir haben neben der Lage, besonders die Architektur mit den großen Fenstern und den Nischen zum Sitzen gefallen, aber auch, dass es ein Ort war, der nicht nur Studierende einlud. Während meiner Ausbildung verstärkte sich mein Wunsch, Kindheitspädagogik zu studieren, ursprünglich verbunden mit dem Ziel, in der Frühförderung zu arbeiten.
Als ich erfuhr, dass dies ein Abschluss ist, den man an der ehs erwerben kann, habe ich mich natürlich beworben und glücklicherweise einen Platz bekommen.
Prägende Momente während des Studiums
Wie in der Schule haben mich besonders die Themen gereizt, die mein eigenes Weltverständnis erweitert und mich zum Nachdenken über mich selbst und andere Menschen angeregt haben. Wir haben uns zum Beispiel in den ersten Semestern mit der Frage beschäftigt, warum wir im sozialen Bereich arbeiten wollen, und dabei unter anderem Hiltrud von Spiegel gelesen. Die Gespräche, die sich auch außerhalb unserer Vorlesungen über die weiteren Semester erstreckten und uns gegenseitig dazu anhielten, die eigenen Beweggründe für unser Handeln immer wieder neu zu hinterfragen, haben mich sehr geprägt. Für wen arbeite ich eigentlich? Warum fühle ich mich anderen Menschen gegenüber verpflichtet? Erhalte ich durch meine Hilfe die Hilflosigkeit anderer Menschen, oder ermächtige ich sie? Kann ich ertragen, dass meine Arbeit nur einen kleinen Einfluss auf den Menschen hat und nicht dazu führt, seine Handlungen zu bestimmen? Im Anschluss ging es dann auch darum, zu reflektieren, mit welcher Haltung man Menschen gegenübersteht und an welcher Stelle das eigene Wissen und Können eingesetzt werden kann. Dazu haben wir eine ausführliche Hausarbeit verfasst, die mich aufgrund ihres Umfangs etwas in Stress versetzte. Außerdem hat die Selbstreflexion, die damit in Zusammenhang stand, mich auch verunsichert. Ich musste einige alte Ideale loslassen. Rückblickend halte ich diese Zeit aber für unerlässlich, sie hat mich zu einer bewussteren und besseren Pädagogin gemacht.
Meine Arbeit heute
Heute arbeite ich, ganz anders als erwartet, an einer Schule und beschäftige mich besonders mit den Kindern, die dort Schwierigkeiten haben. Ich bin verantwortlich dafür, Wege zu finden, wie Kinder in ihren Klassen besser inkludiert werden können und einen leichteren Zugang zu Lerninhalten erhalten. Dafür muss ich auch oft mit den Eltern und den unterrichtenden Pädagog:innen in Austausch treten und gegebenenfalls neue Wege finden, um alle Vorstellungen und Wünsche der Beteiligten zu berücksichtigen. Häufig werden auch Kompromisse ausgehandelt, und es müssen Enttäuschungen ausgehalten werden. Ich greife bei meiner Arbeit regelmäßig auf Inhalte meines Studiums an der ehs zurück. Seien es Grundlagen guter Gesprächsführung oder didaktische Ideen für Konferenzen und Vorträge im Kollegium. Besonders erfüllend ist es, wenn man es geschafft hat, aus jahrelang erworbenem Wissen, ergänzt von den Erfahrungen von Eltern und LehrerInnen, tatsächliche Fortschritte zu bewirken. Wenn ein Kind wieder gerne zur Schule geht und stolz neu erlerntes Wissen präsentiert. Dann freue ich mich auch immer noch und schöpfe daraus Kraft für den nächsten schwierigen Prozess.
Mein Rat an heutige Studierende
Ich hätte mir häufig konkrete Fragen und konkrete Antworten gewünscht. Einen einfachen Weg, ein Schema F, nach dem man weiß, was zu tun ist. Wie groß (und wichtig) die Individualität in der Arbeit mit Menschen sein kann und wie elementar es ist, als Pädagogin diese auch zu bewahren und zu schützen, anstatt sie angleichen zu wollen, ist mir erst später klar geworden. Neuen Studierenden wünsche ich Gelassenheit und das Wissen, dass sich der Sinn mancher Lektionen erst Jahre später offenbart.
