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"Traut euch, euren eigenen Weg zu finden!"

Paula Ritter

Abschlussjahr:

2025

 

Studiengang:

Kindheitspädagogik (B.A. | Vollzeit)

 

heutige Position:

Kindheitspädagogin im Waldkinder e.V. Dresden


Mein Weg zum Studium

Der Wunsch, Kindheitspädagogin zu werden, begleitete mich viele Jahre lang. Nach meinem Realschulabschluss informierte ich mich gezielt über die Voraussetzungen und absolvierte die Fachhochschulreife in Dresden mit dem Schwerpunkt Gesundheit und Soziales. Hochschwanger legte ich erfolgreich die schulfreie Prüfung ab und schuf damit die Grundlage für meinen weiteren Bildungsweg. Anschließend wurde ich für den Studiengang Kindheitspädagogik an der Hochschule in Görlitz angenommen. Aufgrund der Corona-Pandemie und der Geburt meines Kindes war eine regelmäßige Teilnahme jedoch nicht möglich. Um trotzdem an meinem Ziel festzuhalten, bereitete ich mich pro Semester auf eine Prüfung vor, sodass ich Studium und Familienalltag vereinbaren konnte. Nach zwei Semestern zog ich aus Familiengründen zurück nach Dresden und entschied mich für ein weiteres Jahr Elternzeit. Im September 2022 begann ich das Bachelorstudium der Kindheitspädagogik an der EHS. Mir wurden bestandene Prüfungen aus Görlitz sowie ein Sprachkurs angerechnet. Die Entwicklung meines Kindes hat meinen Berufswunsch noch einmal bestärkt: Die täglichen Erfahrungen als Mutter zeigen mir, wie bedeutsam frühe Förderung und Begleitung sind. Dieser Weg hat mich gelehrt, Herausforderungen mit Ausdauer zu begegnen. Heute arbeite ich als Kindheitspädagogin und bringe mein Fachwissen sowie meine persönlichen Erfahrungen in die Begleitung von Kindern und Familien ein.


Prägende Momente während des Studiums

Während meines Studiums gab es viele Momente, die mich sowohl fachlich als auch persönlich geprägt haben. Besonders in Erinnerung geblieben sind mir die Kennenlerntage in Liebethal. Von Anfang an entstand der Eindruck, dass die Hochschule großen Wert auf ein wertschätzendes und familiäres Miteinander legt. Als Mama eines Kleinkindes hatte ich sofort das Gefühl, mit meiner Situation angekommen zu sein. Ich erlebte keinen Leistungsdruck, sondern wurde in meiner individuellen Lebenssituation wahrgenommen und unterstützt.

Bereichernd waren auch die zahlreichen Projekte, in denen ich mich intensiv mit pädagogischen Themen auseinandersetzen konnte. Die Gruppenarbeit habe ich dabei als besonders wertvoll erlebt: Die gemeinsame Vorbereitung auf Präsentationen und Prüfungen ermöglichte es, verschiedene Perspektiven einzunehmen und voneinander zu lernen.

Die regelmäßigen Reflexionen während des Praxissemesters boten einen geschützten Raum, um Erfahrungen zu reflektieren, Herausforderungen anzusprechen und gemeinsam Lösungsansätze zu entwickeln. Oft stellte sich dabei heraus, dass andere Kommiliton:innen Ähnliches erlebt hatten. Ich fühlte mich nicht allein.

Positiv in Erinnerung geblieben ist mir auch die abwechslungsreiche Gestaltung der Lehrveranstaltungen mit interaktiven Methoden und Lernsettings außerhalb der Seminarräume. Das Modul „Religiöse Bildung und Welt verstehen” hat mich persönlich besonders berührt, da es meinen Blick auf Religion, Glauben und unterschiedliche Lebenswelten erweitert hat. Die Hospitationen in verschiedenen Einrichtungen ermöglichten mir wertvolle Einblicke in pädagogische Konzepte. Unvergessen bleibt mir zudem das Didaktik-Modul, dessen interaktive Prüfungsform eindrücklich veranschaulichte, wie bedeutsam didaktische Gestaltung für Bildungsprozesse ist.


Meine Arbeit heute

Nach meinem Bachelorabschluss dauerte es etwa sechs Monate, bis ich Anfang 2026 eine passende Stelle fand. Die Suche gestaltete sich aufgrund des Geburtenrückgangs und der damit verbundenen Kürzungen sozialer Angebote in Dresden schwierig. Ich zweifelte zeitweise an meinen Bewerbungsunterlagen und fragte mich, ob äußere Merkmale wie das Tragen eines Kopftuchs eine Rolle spielen könnten. Diese Phase war herausfordernd, hat mich aber darin bestärkt, an meinen Zielen festzuhalten.

Im Januar 2026 begann ich schließlich als fallführende Fachkraft in einer stationären Einrichtung der Kinder- und Jugendhilfe der Diakonie Dresden. Besonders wertvoll war die Möglichkeit, Kinder in ihrem unmittelbaren Lebensumfeld zu begleiten und ein Verständnis für professionelle Nähe und Distanz zu entwickeln. Der Schichtdienst ließ sich jedoch kaum mit meinem Familienleben vereinbaren, und die Lebensgeschichten der betreuten Kinder beschäftigten mich oft über den Arbeitsalltag hinaus. Dadurch lernte ich noch mehr zu schätzen, wie wichtig verlässliche Beziehungen für Kinder sind.

Seit April 2026 arbeite ich als Springerin in einem Waldkindergarten, was einen lang gehegten Wunsch von mir erfüllt. Die naturpädagogische Arbeit empfinde ich als besonders ganzheitlich. Die enge Begleitung einer kleinen Kindergruppe, das Aufbauen von Beziehungen und die aktive Mitgestaltung von Bildungsprozessen machen meine Arbeit für mich sinnstiftend und wertvoll.


Mein Rat an heutige Studierende

Mein wichtigster Rat an heutige Studierende lautet: Traut euch, euren eigenen Weg zu finden! Im letzten Semester organisierte ich mein Studium so, dass ich es in der Regelstudienzeit abschließen konnte. Ich plante mein Forschungsprojekt um, führte es konzentriert durch und schloss es im August 2025 erfolgreich ab.

Eine gute Organisation ist entscheidend für ein erfolgreiches Studium. Aufgrund meines Kindes war ich auf klare Planung angewiesen. Rückblickend hat mir das dabei geholfen, Prioritäten zu setzen und Aufgaben konsequent umzusetzen. Sucht euch ein persönliches Ziel, das euch auch in schwierigen Phasen motiviert.

Ich empfehle außerdem, ein Praxistagebuch zu führen. Es hilft dabei, Erfahrungen zu reflektieren und sich pädagogisch weiterzuentwickeln. Nutzt die Zeit im Lernort Praxis, um viele Arbeitsfelder kennenzulernen und Neues auszuprobieren. Und vor allem: Habt keine unrealistischen Erwartungen an euch selbst. Gebt euer Bestes im Rahmen eurer Möglichkeiten, nehmt Unterstützung an und denkt daran: Fehler sind Begleiter des Lernens.


Der Wendepunkt

Ein entscheidender Wendepunkt auf meinem beruflichen Weg war das Forschungsprojekt während meines Studiums. Mir wurde klar, dass meine Vorstellungen von pädagogischer Qualitätsentwicklung nicht immer mit den bestehenden Strukturen einer Einrichtung vereinbar sind. Der Wunsch, Veränderung anzustoßen, führte zu Spannungen. Meine fachlichen Anregungen wurden von einer pädagogischen Fachkraft persönlich aufgefasst. Diese Situation entwickelte sich zu einer Krise, die wir gemeinsam besprachen. Dabei gewann ich wichtige Erkenntnisse über meine beruflichen Werte.

Ich lernte, dass ich bereit bin, mich engagiert für Qualitätsentwicklung einzusetzen, wobei ich jedoch Offenheit, Wertschätzung und die Bereitschaft zur Reflexion voraussetze. Mir wurde bewusst, wie wichtig eine konstruktive Teamkultur für gelingende pädagogische Arbeit ist.

Rückblickend war diese Erfahrung sehr wertvoll: Ich ließ den gesamten Forschungsprozess mit seinen Schwierigkeiten und Erkenntnissen transparent in meine Prüfungspräsentation einfließen und wurde dafür sehr positiv bewertet. Dabei habe ich gelernt, dass ein solches Projekt nicht perfekt verlaufen muss. Entscheidend ist die Fähigkeit, Prozesse kritisch zu reflektieren und Schlüsse für das eigene professionelle Handeln zu ziehen. Diese Erkenntnisse haben meinen beruflichen Weg nachhaltig geprägt.