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"Denkweisen und pädagogische Perspektiven prägen mich bis heute."

Michael Beier

Abschlussjahr:

2024

 

Studiengang:

Evangelische Religions- und Gemeindepädagogik, Profil: Soziale Arbeit (B.A. | Vollzeit)

 

heutige Position:

Sozialarbeiter in einem Kindertreff in Dresden


Mein Weg zum Studium

Für mein Studium der Evangelischen Religionspädagogik habe ich mich eher durch eine Mischung aus Zufall und bewusster Entscheidung entschieden. Der erste Anstoß kam durch mein FSJ, das ich in der überregionalen Kinder- und Jugendarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche absolviert habe. Dort konnte ich erste Erfahrungen sowohl im sozialarbeiterischen als auch im religionspädagogischen Bereich sammeln. Während dieser Zeit habe ich Kolleginnen und Kollegen kennengelernt, die Religionspädagogik oder Soziale Arbeit studiert haben. Die Arbeit im FSJ hat mich sehr beeindruckt und mir gezeigt, dass ich in diesem Bereich weiterarbeiten möchte. Besonders die Verbindung von Bildungsarbeit, Gemeinschaft und persönlicher Begleitung von Menschen hat mich angesprochen. Auf die ehs beziehungsweise den Studienstandort Moritzburg bin ich vor allem durch meine damaligen Kolleginnen und Kollegen aufmerksam geworden. Mir wurde von dem Studiengang als einem kleinen und sehr persönlichen Studiengang berichtet, der gleichzeitig eine hohe fachliche Qualität bietet. Außerdem hat mich gereizt, dass die Studieninhalte ein breites Spektrum abdecken und nicht nur für die Religionspädagogik, sondern auch für viele andere Bildungs- und Arbeitskontexte relevant sind. Rückblickend waren sowohl das FSJ als auch die Menschen, denen ich dort begegnet bin, die entscheidenden Einflüsse für meine Studienwahl. Das FSJ selbst war eher ein Zufall, die Bewerbung an der ehs dann eine bewusste Entscheidung. So hat mich letztlich eine Mischung aus zufälligen Begegnungen und persönlicher Motivation an die ehs geführt.


Prägende Momente während des Studiums

Einen einzelnen prägenden Moment während meines Studiums zu benennen, fällt mir schwer, da es vielmehr die Vielzahl an Erfahrungen war, die meinen Weg beeinflusst haben. Besonders prägend waren für mich die vielen praktischen Anteile des Studiums, die uns vom zweiten Semester bis zum Studienabschluss begleitet haben. Dazu gehörten die Arbeit mit Jugendgruppen, die Gestaltung von Rüstzeiten sowie die praktische Auseinandersetzung mit Christenlehre und Religionsunterricht. Durch diese enge Verbindung von Theorie und Praxis fühlte sich das Studium stellenweise fast wie ein duales Studium an. Die praktischen Erfahrungen haben mir ermöglicht, Religion, Bildung und die Arbeit mit Menschen in einem deutlich erweiterten Kontext zu betrachten. Viele Situationen haben mich dazu angeregt, meine bisherigen Sichtweisen zu hinterfragen und weiterzuentwickeln. Besonders prägend waren für mich außerdem die Gespräche mit Dozierenden, die oft weit über die eigentlichen Fachinhalte von Theologie und Pädagogik hinausgingen. Diese Begegnungen haben mein Denken erweitert und beeinflussen mich bis heute. Eine wichtige Erkenntnis, die sich im Laufe des Studiums immer stärker herauskristallisiert hat, war mein Wunsch, dauerhaft mit Menschen zu arbeiten. Die vielfältigen Praxisanteile haben mir gezeigt, wie erfüllend ich diese Arbeit empfinde und wie sehr sie meinen Interessen und Fähigkeiten entspricht. Gleichzeitig waren gerade die praktischen Prüfungen und Umsetzungen oft herausfordernd. Vor allem die Arbeit im Bereich Christenlehre und Religionsunterricht hat mich vor neue Aufgaben gestellt und intensive Lernprozesse angestoßen. Viele der Denkweisen und pädagogischen Perspektiven, die ich dort entwickelt habe, begleiten und prägen mich bis heute.


Meine Arbeit heute

Aktuell arbeite ich in einem Kindertreff in Dresden-Gorbitz und studiere nebenbei weiterhin Soziale Arbeit an der ehs. In meiner Arbeit begleite ich Kinder in ihrem Alltag, unterstütze sie in ihrer Entwicklung und schaffe Räume, in denen sie sich ausprobieren, lernen und Gemeinschaft erleben können. Besonders wertvoll ist für mich die Möglichkeit, Kinder ein Stück auf ihrem Lebensweg begleiten zu dürfen. Ich finde es spannend, mich immer wieder auf neue Generationen einzulassen, ihre Lebenswelten kennenzulernen und sie in ihren Bildungs- und Entwicklungsprozessen zu unterstützen. Kein Tag ist wie der andere, und genau diese Vielfalt macht die Arbeit für mich so erfüllend. Gleichzeitig bringt die Arbeit auch Herausforderungen mit sich. Kinder fordern einen immer wieder heraus, die eigene Perspektive zu hinterfragen und offen für neue Sichtweisen zu bleiben. Dabei ist es wichtig, sich selbst und manche Situationen nicht zu ernst zu nehmen und flexibel auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen. Die Herausforderung besteht für mich darin, offen und lernbereit zu bleiben und gleichzeitig eine klare pädagogische Haltung zu bewahren sowie zu den eigenen Werten und Prinzipien zu stehen. Gerade dieses Spannungsfeld macht die Arbeit für mich interessant und lebendig und trägt dazu bei, dass ich mich sowohl beruflich als auch persönlich ständig weiterentwickle.


Mein Rat an heutige Studierende

Wenn ich heutigen Studierenden oder Studieninteressierten etwas mit auf den Weg geben könnte, dann wäre es vor allem, sich nicht zu sehr unter Druck zu setzen. Im Laufe meines Studiums habe ich gelernt, dass nicht jede Leistung perfekt sein muss und dass es nicht immer darum geht, eine 1,0 zu erreichen. Oft reicht es, Dinge solide und gewissenhaft zu erledigen und dabei den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Was ich gerne früher gewusst hätte, ist, wie wichtig Ausgleich neben dem Studium ist. Gerade in stressigen Phasen lohnt es sich, bewusst Zeit für andere Dinge einzuplanen. Diese Freiräume helfen dabei, neue Energie zu sammeln und anschließend mit frischem Kopf an die nächsten Aufgaben heranzugehen.

Rückblickend würde ich sagen: Das Studium ist wichtig, aber genauso wichtig ist es, die eigenen Grenzen und Bedürfnisse wahrzunehmen und ernst zu nehmen, um gut und nachhaltig durch diese Zeit zu kommen.


Der Wendepunkt

Ein wichtiger Wendepunkt in meinem Studium war für mich das Praxissemester in der Evangelischen Religions- und Gemeindepädagogik. In dieser Zeit hat sich mein beruflicher und persönlicher Weg noch einmal deutlich geschärft. Mir wurde dabei klar, dass ich mein Studium der Religionspädagogik auf jeden Fall abschließen möchte, gleichzeitig aber auch den Wunsch habe, im Anschluss noch Soziale Arbeit zu studieren. Der Gedanke dahinter war, mein fachliches Wissen breiter aufzustellen, um Menschen in unterschiedlichen Lebenslagen noch umfassender begleiten und unterstützen zu können. Im Verlauf des Praxissemesters habe ich für mich erkannt, dass ich mich in der Sozialen Arbeit gut aufgehoben fühle und dort meine Interessen, Erfahrungen und beruflichen Überzeugungen sehr gut einbringen kann. Aus dieser Erkenntnis heraus habe ich mich bewusst für ein zusätzliches Bachelorstudium der Sozialen Arbeit entschieden.