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"Ich habe mich bewusst für das duale Studium entschieden."

Melanie Jordan

Abschlussjahr:

2021 & 2026

 

Studiengang:

Pflege dual (B.Sc.) &
Pflege, Schwerpunkt: Community Health Nursing / Advanced Nursing Practice (M.Sc. | berufsbegleitend)

 

heutige Position:

wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt ReGuLa an der ehs Dresden


Mein Weg zum Studium

Ich habe nach dem Abitur ein FSJ in der Kinder- und Jugendklinik in Kreischa absolviert, um herauszufinden, ob ich mich in Richtung Medizin, Pflege oder Soziale Arbeit beruflich weiterentwickeln möchte. Letztendlich wurde meine Entscheidung, in die Pflege zu gehen, bestärkt. Ich habe mich anschließend für eine Ausbildungsstelle an einem Klinikum beworben, mit dem Hintergedanken, Wartesemester zu sammeln und mir so die Möglichkeit auf ein Medizinstudium im Anschluss offen zu halten. Im Rahmen des Vorstellungsgespräches wurde ich auf das Studium an der ehs aufmerksam gemacht. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mich mit akademisierter Pflege noch nicht tiefgründig auseinandergesetzt, habe mir dann aber das Studiengangsprofil der ehs angesehen. Die Schwerpunkte und Ausrichtung haben mich sehr angesprochen, sodass ich mich zwar etwas spontan, aber sehr bewusst für das duale Studium entschieden habe. Ausschlaggebend und reizvoll war dabei für mich, dass die Ausbildungsinhalte vertieft und ergänzt wurden. Ich wusste damals schon, dass ich gerne tiefgreifend und wissenschaftlich fundiert arbeiten möchte. Mir war wichtig, zu verstehen, warum und auf welcher Grundlage Dinge gemacht werden, nicht nur, wie sie ausgeführt werden. Zudem konnte ich mich mit den Werten der ehs stark identifizieren.


Prägende Momente während des Studiums

Grundsätzlich habe ich die Gespräche mit meinen Kommiliton:innen immer als sehr bereichernd erlebt, da wir verschiedene Praxispartner hatten. Dadurch konnte ich bereits während der Ausbildung Einblicke in andere Strukturen, Organisationen und Abläufe erhalten. Dieses Mit- und Voneinander Lernen habe ich als sehr horizonterweiternd erlebt. Zudem ist mir das Kommunikations-Modul sehr positiv in Erinnerung geblieben. Wir hatten die Möglichkeit, mit Schauspieler:innen Gesprächstechniken in verschiedenen Situationen, insbesondere bei schwerwiegenden, auch psychischen Erkrankungen, zu üben. Ich fand es sehr beeindruckend, wie echt sich die Situationen angefühlt haben, und wie gut das Üben sowie nachträgliche Reflektieren war. Die Kommunikation sowie den professionellen Umgang in der Situation in einem sicheren Rahmen üben zu können, hat mir sehr geholfen, mich selbst sicherer zu fühlen, nicht überfordert zu sein und zu wissen, wie ich auf die Patient:innen eingehen sollte. In diesem Modul ist mir auch bewusst geworden, wie wichtig diese „Soft-Skills“ sind und welchen Einfluss Kommunikation und Gesprächsführung hat.

Ein weiterer, sehr prägender Moment war die Möglichkeit des Auslandspraktikums. Ich habe dies damals in Tirol, Österreich, durchgeführt. Die Zeit hat mich beruflich und privat sehr positiv geprägt, ich habe Freundschaften geknüpft, andere Arbeitszeitmodelle und Anerkennung pflegerischer Rollen kennengelernt.


Meine Arbeit heute

Ich habe nach dem Abschluss drei Jahre auf einer interdisziplinären ITS gearbeitet, bin jetzt nebenberuflich in der ambulanten Intensivpflege und hauptberuflich seit 09/25 an der ehs als wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt ReGuLa angestellt. Dort geht es um die Implementierung von Community Health Nurses in einer ländlichen Gemeinde. Da ich den Master Pflege, Schwerpunkt: Community Health Nursing / Advanced Nursing Practice absolviert habe, bin ich sehr froh, mein Wissen direkt einbringen und Erfahrung im wissenschaftlichen Arbeiten sammeln zu können. Die Anwendung von Forschungsmethoden und die wissenschaftliche Begleitung machen mir viel Freude. Zudem glaube ich daran, dass Pflege viel mehr kann bzw. Kompetenzen hat, als sie momentan ausleben darf. Daher macht es mir großen Spaß, mit diesem Projekt das Berufsbild CHN sichtbarer zu machen! Herausfordernd empfinde ich zum Teil den fehlenden praktischen Bezug zu Patient:innen und die fehlende Interaktion. Gleichzeitig genieße ich es sehr, erstmals in meinem Berufsleben nicht mehr in einem Schichtsystem arbeiten zu müssen und somit mein Privatleben freier und spontaner gestalten zu können.


Mein Rat an heutige Studierende

Ein Studium und eine 40h-Arbeitswoche zusammen zu bringen, habe ich als sehr herausfordernd erlebt. Rückblickend hätte ich mir mehr Freiraum dafür nehmen sollen, auch wenn es bedeutet, in anderen (privaten) Bereichen vorübergehend Abstriche zu machen, um die erlernten Inhalte mehr zu verinnerlichen und präsenter im Moment sein und genießen zu können.

Die Möglichkeit zu Auslandsaufenthalten würde ich unbedingt immer wahrnehmen, das bereichert auf mehreren Ebenen!

Verbindungen zu anderen Studierenden aufzubauen, auch aus anderen Studiengängen, ist im Moment sowie für späteres Vernetzen wertvoll.

Das Studi-Leben zu genießen, Angebote wahrzunehmen und gemeinsam Zeit zu verbringen, ist neben der Arbeit in der Pflege nicht immer einfach, dafür ist man nachher umso dankbarer, wenn man es sich trotzdem ermöglicht hat.


Der Wendepunkt

Meine Arbeit auf der Intensivstation (ITS) hat mich viel gelehrt und die Erfahrungen möchte ich nicht missen. Jedoch habe ich dort auch zunehmend die Grenzen unseres Gesundheitssystems zu Gesicht bekommen und erlebt. Der Zugang zu fachlicher Versorgung ist nicht niedrigschwellig, insbesondere für Vulnerable Gruppen, es fehlt die Ausrichtung auf Prävention sowie Gesundheitsförderung. Wenn wir auf ITS die chronisch kranken, multimorbiden Patient:innen versorgt haben, habe ich mir immer öfter die Frage gestellt: Wie konnte es so weit kommen? Wenn diese Menschen das Krankenhaus wieder verlassen, fehlt es oftmals an lückenloser fachlicher ambulanter Nachversorgung. Diese Aspekte haben mich dazu bewegt, zu hinterfragen, was wir wie anders gestalten können und müssen, was mich letztendlich zu meinem Masterstudium CHN bewegt hat. Dieses hat mich fachlich viel gelehrt, aber auch mein Verständnis von und Engagement in der Berufspolitik geprägt. Ich engagiere mich in der Fachgruppe CHN und hatte die Chance, an einer Studienreise zum ICN Congress (International Council of Nurses) in Helsinki teilzunehmen. Diese Erfahrungen, zusammen mit meiner Berufserfahrung aus der Praxis, prägen mein Rollenbewusstsein als Pflegefachkraft und CHN. Zudem hat sich durch das Studium die unerwartete Chance zu meiner jetzigen Arbeitsstelle aufgetan.