"Pflege weiter und wissenschaftlich denken."
Lotti Jürgens
Abschlussjahr:
2025
Studiengang:
Pflege (B.Sc. | Vollzeit)
heutige Position:
Pflegefachfrau bei Pflegeimpuls Dresden gGmbH
Mein Weg zum Studium
Zum Ende meiner Schulzeit wusste ich nicht so richtig, wie es danach weitergehen soll. Im Rahmen von Praktika in der Schule bin ich das erste Mal mit der Pflege in Kontakt gekommen, zunächst in der Betreuung in einem Altenheim und später dann in der Pflege direkt. Die Vorstellung, dort auch eine Ausbildung zu starten, stimmte mich aber nicht so richtig zufrieden – es fehlte etwas. Deshalb beschloss ich, ein Jahr Pause zu machen, um mich zu informieren und abzuwägen, wie es weiter gehen sollte. Von einem Berufsberater in der Schule hatte ich einmal den Tipp bekommen, dass man Pflege auch studieren kann. In meiner nun freien Zeit informierte ich mich, was es denn da noch so gäbe, und so wurde ich auf das primärqualifizierende Pflegestudium aufmerksam. Beim Recherchieren dazu bin ich auf die ehs gestoßen und da ich familiäre Verbindungen nach Sachsen habe, hat mich die ehs Dresden sehr angesprochen. So meldete ich mich zu einer Online-Informationsveranstaltung an, und schon war es um mich geschehen. Das war, was ich mir gewünscht hatte: Pflege, weiter und wissenschaftlich denken, und gleichzeitig praktisch arbeiten. Ich setzte mich umgehend an die Bewerbung und freute mich riesig, als dann die Zusage kam.
Prägende Momente während des Studiums
Der erste prägende Moment während des Studiums war definitiv das Kennenlernen meiner Kommiliton:innen. Am ersten Tag sollte jede:r kurz erzählen, wie er:sie zum Studium gekommen ist und welche Vorerfahrungen er:sie mitbringt. Eine Kommilitonin berichtete zum Beispiel, dass sie einen Bundesfreiwilligendienst auf der Intensivstation geleistet hat (zur Pandemie, wohlgemerkt!), eine andere hatte an der Fachoberschule schon ein Jahr im Krankenhaus gearbeitet. Ich war ziemlich eingeschüchtert und auch unsicher, ob ich die richtige Wahl getroffen habe. Doch mit der Zeit bemerkte ich, dass jede:r von uns eigene Sichtweisen mit einbringen kann und wir alle davon profitieren, egal, ob jahrelange Vorerfahrung oder frisch aus der Schule raus. Das war ein großer Gewinn für uns alle. Das Sammeln praktischer Erfahrungen und Erlernen von Skills hat mich sehr bereichert. Ich erinnere mich zum Beispiel an das erste Mal Blut abnehmen, zuerst im Simulationslabor der ehs und später dann auf Station. Der prägendste Praxiseinsatz war für mich meine Tätigkeit auf der Palliativstation im letzten Semester. Während einige Module und einzelne Praxiseinsätze nicht immer die aufregendsten waren, habe ich dort gemerkt, wie sich alles zusammenfügt, was ich bislang gelernt hatte. Das Wissen von Anatomie und Krankheitslehre, über Ethik, Recht und Kommunikation, und, und, und – alles ergab auf einmal Sinn. Dort habe ich das erste Mal ansatzweise begriffen, wie zentral die ganzheitliche Betrachtung des Menschen in der Pflege ist. Diese Denkweise habe ich beibehalten und versuche sie – so gut es geht – immer weiter in meine Arbeit einfließen zu lassen.
Meine Arbeit heute
Heute arbeite ich bei einem ambulanten Pflegedienst in Dresden. Mit dem Fahrrad besuche ich meine Bezugspatient:innen und versorge sie, je nach Unterstützungsbedarf. Ich habe bei meinem Arbeitgeber glücklicherweise die Möglichkeit, die Menschen, die ich versorge, auch wirklich kennenzulernen. Wir führen Gespräche über biografische Themen, die Familie und ihr aktuelles Befinden. Dadurch entsteht Vertrauen, welches für beide Seiten unglaublich wertvoll ist. Die Pflegebedürftigen fühlen sich gesehen, und ich kann den Pflegeprozess individueller gestalten. Nichtsdestotrotz müssen wir wirtschaftlich arbeiten, weshalb ich stellenweise aus finanziellen Gründen nicht die Pflege leisten kann, die ich für nötig halten würde. Das ist zum Teil frustrierend, aber im Team finden wir immer einen guten Umgang mit der Situation. Neben meiner Tätigkeit in der direkten Versorgung arbeite ich auch im Qualitätsmanagement. Ich leite die monatlichen, internen Qualitätszirkel und arbeite an Handlungsleitlinien, die unserer täglichen Arbeit den Rahmen geben. Vor einem Monat habe ich auch die jährliche Prüfung durch den Medizinischen Dienst betreut, was sehr aufregend war. Ein Highlight war für mich auch eine Weiterbildung, die ich zu Beginn des Jahres geplant und geleitet habe, was mir viel Spaß gemacht hat!
Mein Rat an heutige Studierende
In jedem Semester wird es Themen oder Aufgaben geben, die aus den unterschiedlichsten Gründen besonders fordernd sind. Mir hat es in solchen Fällen immer geholfen, mich daran zu erinnern, warum ich das Ganze mache. Zu Beginn des Studiums habe ich mir eine Art Vision Board gemacht und es mir über den Schreibtisch gehängt. Mir meine Ziele in Erinnerung zu rufen, hat zwar die Aufgaben nicht schneller erledigt, aber den Blick geweitet und mir bewusst gemacht, dass ich auch diese anstrengende Phase schaffen werde. Was aber wirklich direkt geholfen hat und mir immer eine Stütze bot, war meine Lerngruppe. Die war meine Rettung in den Klausurenphasen, wodurch das Lernen sogar zum Teil echt Spaß gemacht hat. Meine Tipps dazu wären: Die Gruppe eher kleiner halten, alle mit ähnlichem Anspruch (natürlich auch mal Privates besprechen und sich gegenseitig aufbauen, aber dann auch wieder zurück zum Thema kommen), sich regelmäßig treffen und natürlich: ausreichend Snacks als Nervennahrung.
