"Steht für eure Rechte ein!"
Felicia Fischer
Abschlussjahr:
2017 & 2021
Studiengang:
Bildung und Erziehung in der Kindheit international (B.A. | Vollzeit) &
Soziale Arbeit (M.A. | Vollzeit)
heutige Position:
trägerinterne Fachberatung bei Verbund Sozialpädagogischer Projekte e.V.
Mein Weg zum Studium
Wenn ich Menschen aus meinem Umfeld frage, sagen sie, es sei eigentlich schon immer klar gewesen, dass ich einmal „was mit Menschen“ machen würde. Durch Praktika und meinen Freiwilligendienst in Tasmanien hat sich dieser Wunsch auch für mich immer mehr bestätigt. Also suchte ich nach einem Studiengang, der praxisnah ist, spannend klingt und am besten in der Nähe von Kletterfelsen liegt. Mein Motivationsschreiben habe ich noch im Ausland geschrieben und Freunde vor Ort haben es persönlich in den Briefkasten der ehs eingeworfen. Kurze Zeit später bekam ich die Zusage.
Ein Masterstudium hatte ich dann zunächst gar nicht im Blick. Ich wollte erst einmal arbeiten und begann im stationären Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. Die Arbeit in der WG habe ich geliebt, und das Studium hatte mich gut darauf vorbereitet. Schwieriger waren die Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig wurde meine staatliche Anerkennung als Kindheitspädagogin vom Landesjugendamt nur vorläufig anerkannt, mit der Auflage, zeitnah eine Erzieherausbildung oder ein sozialpädagogisches Studium nachzuholen. Also begann ich den Master damals vor allem aus pragmatischen Gründen. Rückblickend wurde er aber zu einer bereichernden Erfahrung, die meine persönliche und berufliche Entwicklung nachhaltig beeinflusst hat.
Prägende Momente während des Studiums
Für mich waren es vor allem einzelne Menschen, die meine Haltung geprägt haben. Im Bachelor waren das Ivonne Zill-Sahm und Tim Rohrmann (ehemaliger Professor für Entwicklung und Bildung im Kindesalter an der ehs), Master Marcus Hußmann (ehemaliger Professor für Sozialarbeitswissenschaft an der ehs).
Durch Ivonne Zill-Sahm lernte ich (oder eigentlich Hiltrud von Spiegel) das Modell von Wissen, Können und Haltung kennen. Es hat sich bei mir regelrecht eingebrannt und begleitet mich bis heute. In der Praxis ist es für mich zu einem Orientierungsrahmen geworden, in dem Theorien, Methoden und Kompetenzen der Sozialen Arbeit ihren Platz finden.
Tim Rohrmann begeisterte nicht nur mit spannenden Themen wie selbst gebildeten Kindergruppen, geschlechtsspezifischer Sozialisation oder Kommunikation, sondern vor allem mit seiner humorvollen Art zu lehren. Ein Stück dieses Humors begleitet mich bis heute in der Arbeit mit Erwachsenen.
Ich bin dankbar, Marcus Hußmann im Master als menschliches Gegenüber und kompetenten Dozenten erlebt zu haben. Die systemische Beratungsausbildung mit einem unglaublichen Methodenpool gab es fast nebenbei. Ich konnte mich in seinen Seminaren ausprobieren und habe meine Leidenschaft für Beratung entdeckt!
Vieles von dem, was ich heute in meiner Arbeit denke und tue, hat seinen Ursprung in diesen Begegnungen. Aber auch die Kolleg:innen aus der Praxis und die Menschen, mit denen ich studiert habe, haben mich nachhaltig geprägt. Dafür bin ich bis heute sehr dankbar.
Meine Arbeit heute
Seit etwas mehr als zwei Jahren arbeite ich als trägerinterne Fachberatung beim Verbund Sozialpädagogischer Projekte e. V. Auch wenn es etwas kitschig klingt: Ich habe das Gefühl, beruflich am passenden Ort angekommen zu sein.
Wir arbeiten im gesamten Träger mit rund 200 Mitarbeitenden basisdemokratisch und selbstverwaltet. Das bedeutet, dass es immer Menschen braucht, die Verantwortung übernehmen. Wer das tut, hat zugleich viele Gestaltungsspielräume. Das gilt nicht nur für mich, sondern auch für die Kolleg:innen, die ich als Fachberatung begleite. Diese Form der (Selbst-)Wirksamkeit weiß ich sehr zu schätzen.
Die größte Herausforderung sind aktuell die zunehmend unsicheren Rahmenbedingungen, unter denen Soziale Arbeit stattfindet. Kürzungen in den öffentlichen Haushalten führen dazu, dass Einrichtungen schließen müssen und Arbeitsplätze unsicherer werden. Das erschwert nicht nur die langfristige Planung, sondern belastet auch viele Kolleg:innen. Ich bin dankbar, dass ich in meiner Arbeit auch politisch aktiv sein und mich für die Bedarfe unserer Adressat:innen sowie Kolleg:innen einsetzen kann.
Mein Rat an heutige Studierende
Steht für eure Rechte ein! Seid politisch aktiv, denn wer, wenn nicht ihr?
Organisiert euch, seid laut und geht gemeinsam mit Adressat:innen auf die Straße!
Engagiert euch auch an der Hochschule und setzt euch dafür ein, dass das Studium so gestaltet wird, wie ihr es braucht. Ich habe immer wieder erlebt, wie offen die Hochschule für Anliegen und Ideen von Studierenden war.
