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"Ich bin Teil der ersten Generation CHN in Deutschland."

Eric Lindemann

Abschlussjahr:

2026

 

Studiengang:

Pflege, Schwerpunkt: Community Health Nursing / Advanced Nursing Practice (M.Sc. | berufsbegleitend)

 

heutige Position:

Community Health Nurse im Krankenhaus am Crivitzer See gGmbH


Mein Weg zum Studium

Nach meiner Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger arbeitete ich in verschiedenen Fachbereichen, darunter Urologie, Unfallchirurgie, Neurochirurgie und Wirbelsäulenchirurgie. Parallel dazu absolvierte ich den Studiengang Pflegeentwicklung und -management an der HAW Hamburg. Anschließend war ich im Homecare-Außendienst sowie in einem ambulanten Pflegedienst tätig.

Durch die Arbeit im häuslichen Umfeld wurden mir Versorgungsproblematiken bewusst, die über die klassische pflegerische Versorgung hinausgehen. Da ich aus Mecklenburg-Vorpommern komme, entstand der Wunsch, die Versorgung in meiner Heimatregion aktiv mitzugestalten und zu verbessern. Im Community Health Nursing sah ich einen vielversprechenden Ansatz dafür.

Die Entscheidung für den Studiengang an der ehs war daher sehr bewusst. Besonders überzeugt haben mich der Theorie-Praxis-Transfer durch einen integrierten Praxiseinsatz und die Möglichkeit zusätzlicher fachlicher Qualifikationen. Zudem waren die fehlenden Studiengebühren und die Fördermöglichkeiten durch den DBfK bzw. die Agnes-Karll-Stiftung ausschlaggebend.


Prägende Momente während des Studiums

Ein besonders prägender Aspekt meines Studiums war es, Teil der ersten Kohorte des Studiengangs Community Health Nursing in Deutschland zu sein. Das war gleichermaßen spannend wie herausfordernd, da die beruflichen Perspektiven dieses noch jungen Studiengangs zunächst schwer abzuschätzen waren. Zudem fiel ein großer Teil des Studiums in die Zeit der Corona-Pandemie, sodass viele Präsenzphasen nicht wie geplant stattfinden konnten.

Besonders in Erinnerung geblieben ist mir das Praktikum an der Poliklinik Veddel in Hamburg, die zu den ersten Projekten des Community-Health-Nursing in Deutschland zählt. Dort konnte ich erleben, wie die im Studium vermittelten Konzepte in der Praxis umgesetzt werden. Diese Erfahrung hat mich darin bestärkt, später selbst in diesem Feld tätig zu sein.

Auch die Arbeit an meiner Masterthesis war prägend. Trotz aller Herausforderungen hat sie mir viel Freude bereitet und mir die Möglichkeit gegeben, ein zentrales Studienthema zu vertiefen. Dabei habe ich meine Begeisterung für wissenschaftliches Arbeiten neu entdeckt.


Meine Arbeit heute

Heute arbeite ich als Community Health Nurse im Innovationsfondsprojekt „LUP-REGIO” am Krankenhaus in Crivitz. Ziel des Projekts ist es, die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum zu stärken und neue Versorgungsformen zu erproben.

Besonders erfüllend ist für mich die direkte Arbeit mit den Menschen. Ich kann viele Inhalte aus dem Studium heute praktisch umsetzen, beispielsweise in den Bereichen Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenzentwicklung. Auch die Netzwerkarbeit, die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Gesundheitsberufen sowie die Projekt- und Öffentlichkeitsarbeit tragen dazu bei, dass meine Tätigkeit abwechslungsreich und spannend ist.

Herausfordernd ist, dass Community Health Nursing in Deutschland noch ein sehr junges Berufsfeld ist. Oft muss ich das Berufsbild zunächst erklären und für dessen Potenziale werben. Zudem fehlen vielerorts bislang strukturelle und rechtliche Rahmenbedingungen und die Anerkennung innerhalb des Gesundheitssystems ist noch ausbaufähig. Gleichzeitig ist genau das der besondere Reiz der Arbeit: Es ist echte Pionierarbeit mit der Chance, die zukünftige Gesundheitsversorgung aktiv mitzugestalten.


Mein Rat an heutige Studierende

Mein Rat an Studierende und Studieninteressierte lautet, offen für neue Wege zu sein und Veränderungen aktiv mitzugestalten. Community Health Nursing ist heute deutlich bekannter als zu Beginn meines Studiums und ich bin überzeugt, dass dieser Beruf angesichts der wachsenden Herausforderungen im Gesundheitssystem dringend gebraucht wird. Die Pflege in der Primärversorgung muss stärker berücksichtigt werden, und die vielfältigen Erfahrungen aus stationären, ambulanten oder langzeitpflegerischen Bereichen sind dafür eine wertvolle Grundlage.

Mir hat der Weitblick geholfen, an die Entwicklung dieses neuen Berufsfeldes zu glauben und auch in unsicheren Phasen dranzubleiben. Wer Freude daran hat, neue Perspektiven einzubringen und die Gesundheitsversorgung aktiv weiterzuentwickeln, kann hier viel bewegen.

Rückblickend hätte ich während des Studiums gerne etwas weniger gearbeitet, um mich stärker auf die Inhalte konzentrieren zu können. Außerdem hätte ich die Chance auf ein Auslandssemester gerne wahrgenommen.


Der Wendepunkt

Einen entscheidenden Wendepunkt gab es für mich während des Praktikums an der Poliklinik Veddel in Hamburg. Bis dahin war Community Health Nursing für mich vor allem ein spannendes und zukunftsweisendes Konzept. Dort konnte ich zum ersten Mal erleben, wie dieser Ansatz praktisch umgesetzt wird und welchen Mehrwert er für die Versorgung von Menschen bietet. Mir wurde klar, dass ich nicht nur über neue Versorgungsmodelle lernen, sondern auch aktiv an ihrer Umsetzung mitwirken möchte.

Eine weitere wichtige Erkenntnis war, wie wichtig Ausdauer und Überzeugungsarbeit in einem neuen Berufsfeld sind. Community Health Nursing ist in Deutschland noch nicht überall bekannt. Oft ist es deshalb notwendig, das Berufsbild zu erklären und dessen Potenziale sichtbar zu machen. Gleichzeitig erlebe ich, dass sich die Wahrnehmung zunehmend verändert. Sowohl in der Bevölkerung als auch bei ärztlichen und pflegerischen Kolleginnen und Kollegen wächst die Offenheit für neue Versorgungsansätze. Zu sehen, wie sich Perspektiven verändern und Akzeptanz entsteht, bestätigt mich darin, diesen Weg weiterzugehen und die zukünftige Gesundheitsversorgung aktiv mitzugestalten.