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"Ich habe als Erste in meiner Familie studiert."

Anna Franke

Abschlussjahr:

2024

 

Studiengang:

Soziale Arbeit (B.A. | Vollzeit)

 

heutige Position:

staatlich anerkannte Sozialarbeiterin in der JVA Dresden


Mein Weg zum Studium

Nach dem Abitur habe ich ein FSJ in einer Wohngruppe für Kinder im Alter von 0 bis 6 Jahren absolviert. Ursprünglich wollte ich eine Ausbildung zur Erzieherin machen und später in einer solchen Einrichtung arbeiten. Ein Kollege riet mir in diesem Zusammenhang allerdings von der Ausbildung ab und ermutigte mich zu einem Studium an der ehs. Seiner Meinung nach sind Kolleg:innen mit der Ausbildung zur Erzieher:in in der praktischen Arbeit nicht weniger geeignet, in vielen Punkten der administrativen Arbeit, der Hilfeplanung und dem Umgang mit verschiedenen Ämtern und Behörden jedoch wesentlich ungeübter (was ich nie feststellen konnte). Obwohl ich zunächst große Bedenken hatte, überhaupt zu studieren – das hatte bis zu dem Zeitpunkt niemand in meiner Familie oder in meinem Freundeskreis gemacht oder auch nur darüber nachgedacht –, ging ich zum Tag der offenen Tür der ehs. Dort erklärte mir eine sehr nette Studentin alles (vom Aufbau der Bewerbung bis hin zum Ablauf des Studiums). In meinem Minijob als Pflegefachkraft und Freizeitassistentin für Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung traf ich später auch zwei Kolleginnen, die ebenfalls an der ehs studierten. Sie ermutigten mich noch einmal, mich zu bewerben.


Prägende Momente während des Studiums

Neben den sehr geduldigen Mitarbeitenden der IT sind mir besonders die vielen rücksichtsvollen und kompetenten Dozent:innen und Professor:innen in Erinnerung geblieben, z. B. Frau Solf, die sich für meinen zweiten Versuch der Bachelorarbeit viel Zeit genommen hat, um mit mir genau durchzugehen, was beim ersten Versuch schiefgelaufen ist. Herausfordernd, aber zugleich spannend waren die ersten Vorlesungen, Projekte und Gruppenarbeiten, die tatsächlich in der ehs stattfanden. Bedingt durch die Schließung wegen Corona konnte ich damals endlich erste Eindrücke davon gewinnen, wie das Studium und meine spätere Arbeit aussehen könnten. Mein persönliches Highlight im Studium war das Praxissemester. Ich war leider nie die organisierteste Studentin und habe viel zu spät mit der Suche nach einer geeigneten Praxisstelle begonnen. Mit viel Glück (und der Hilfe meiner Oma, um ehrlich zu sein) konnte ich Kontakt zum Senior:innen-Beratungs- und Begegnungszentrum Johann aufnehmen. Ich denke oft an meine lieben Kolleginnen und einige Senior:innen zurück, die mir alle auf ihre Art viel beibringen konnten.


Meine Arbeit heute

Nachdem ich im Juli 2024 endlich meine Bachelorarbeit erfolgreich abgeben und verteidigen konnte, habe ich glücklicherweise sofort im August bei einem kleineren Bildungsträger mit Arbeitsort in der Justizvollzugsanstalt Dresden angefangen. Mittlerweile hat der Bildungsträger gewechselt aber Arbeitsort sowie -aufträge sind gleichgeblieben. In der JVA arbeite ich jeweils drei Monate lang mit etwa zehn Männern in einer Gruppe an ihren Sozialkompetenzen, Werten, Berufschancen und vielem mehr. Mir ist es wichtig, gerade in Bezug auf Queerness, Frauen*, Politik im Allgemeinen oder auch Erziehung und Beziehungen, mit den Männern in der JVA Dresden ins Gespräch zu kommen, mit ihnen gemeinsam zu reflektieren und alternative Denk- und Verhaltensmuster zu entwickeln. Natürlich ist es, wie sich einige vielleicht vorstellen können, dieser spezifischen Zielgruppe leider oft nicht ganz so wichtig wie mir. Die größte Hürde ist daher zunächst, die Gruppe zu motivieren. Neben Vorurteilen, tief verwurzelten Ideologien und Verhaltenstendenzen spielen auch mein Alter und die Tatsache, dass ich eine Frau bin, eine große Rolle. Ich wurde beleidigt, angeschrien und musste mich mit komplett entgegengesetzten Werten auseinandersetzen.


Mein Rat an heutige Studierende

Ich kann auf jeden Fall empfehlen, sich eine feste Gruppe von Mitstudierenden zu suchen, Lerngruppen zu bilden und gleichzeitig auch privat viel zusammen zu unternehmen. Gerade für Menschen, für die das Studieren bis zum Beginn des Studiums ein totales Rätsel war, kann das viel ausmachen. Allen, denen wissenschaftliches Arbeiten so schwerfällt wie mir, möchte ich außerdem empfehlen, sich für die Literaturrecherche jedes Mal eine einfache Tabelle zu erstellen, in der die Titel, Autor:innen, Inhalte, Kapitel und Seitenzahlen der Literatur festgehalten werden. Das hilft bei der Erstellung der Nachweise über die verwendete Literatur, bei Quellenangaben oder wenn ihr etwas schnell in einem Buch wiederfinden müsst. Auch wenn das jetzt vielleicht für viele super logisch und bereits bekannt ist, war das für mich ein echter Gamechanger!