Startseite
Startseite

DAAD-Preis 2026 geht an Tahoora Tabatabaei

Eine besondere Auszeichnung für eine engagierte Studentin der Evangelischen Hochschule Dresden: Tahoora Tabatabaei, Studentin der Sozialen Arbeit (B.A.), erhält den DAAD-Preis 2026 für hervorragende Leistungen internationaler Studierender. Der Preis ist mit 1.000 Euro dotiert und würdigt besondere akademische Leistungen sowie bemerkenswertes gesellschaftliches und interkulturelles Engagement.

 

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) vergibt den Preis über die teilnehmenden Hochschulen seit mehr als zehn Jahren. Dahinter steht eine besondere Idee: Die große Zahl internationaler Studierender an deutschen Hochschulen soll nicht abstrakt bleiben. Der Preis möchte Menschen, ihre Leistungen und ihre Geschichten sichtbar machen und zeigen, wie sehr internationale Studierende Hochschulen und Gesellschaft mit ihren Erfahrungen, Perspektiven und ihrem Engagement bereichern. Tahoora Tabatabaei ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel.

 

Sechs Jahre auf Dresden gewartet

 

Ihr Weg nach Dresden begann lange vor ihrer Ankunft. Tahoora Tabatabaei stammt aus dem Iran und hatte dort Innenarchitektur studiert. Bereits 2015 wollte sie für ein Studium nach Deutschland kommen. Sie lernte Deutsch, erreichte zunächst das Sprachniveau B1 und erhielt eine Zusage für ein Architekturstudium in Dresden. Doch ihr Visumantrag wurde abgelehnt. Weitere Versuche verzögerten sich, später kam die Corona-Pandemie hinzu.

 

Tahoora gab ihren Plan trotzdem nicht auf. Sie ging für mehrere Monate nach Ankara, lernte weiter Deutsch und erreichte schließlich das Niveau C1. 2021, sechs Jahre nach ihrem ersten Antrag, erhielt sie ihr Visum.

 

Dass ihr Ziel Dresden war, stand für sie fest. Sie hatte viel über die Stadt gelesen und war vor allem von ihrer Architektur fasziniert. Weil sie zunächst keine Unterkunft in Dresden fand, lebte sie nach ihrer Ankunft in Deutschland vorübergehend in Bochum. Nach eineinhalb Monaten fand sie ein Zimmer in Dresden und stieg in den Zug. Am ersten Tag in der neuen Heimat ging sie durch die Altstadt. Sie erinnert sich noch heute daran, wie sehr sie die Architektur, die Details und die Atmosphäre der Stadt beeindruckten.

 

Warum aus Architektur Soziale Arbeit wurde

 

Zunächst studierte Tahoora Tabatabaei also Architektur. Doch der Einstieg fiel ihr schwer. Sie fand wenig Anschluss und arbeitete parallel viele Stunden in Restaurants und Cafés, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten.

 

Gleichzeitig wurde ihr immer bewusster, dass ihre eigentliche Leidenschaft eine andere war:  Schon im Iran hatte sie sich für Menschen eingesetzt, die Unterstützung brauchten. Gleichberechtigung, Freiheit und der Einsatz gegen Diskriminierung beschäftigen sie bis heute. Auch die Situation geflüchteter Menschen und insbesondere von Frauen ließ sie nicht los.

 

Sie begann zu recherchieren, welche beruflichen Möglichkeiten die Soziale Arbeit bietet, und stieß dabei auf die Evangelische Hochschule Dresden. Parallel zu ihrer Erwerbsarbeit absolvierte sie über mehrere Monate ein Vorpraktikum beim Ausländerrat Dresden und schuf damit die Voraussetzung für ihren Neustart im Studium.

 

An der ehs fand sie schließlich nicht nur ihr Studienfach, sondern auch Menschen, die ihren Weg begleiteten. Besonders wichtig waren für sie die Unterstützung durch Lehrende und Mitarbeitende sowie die Angebote des Internationalen Büros.

 

Aus eigener Erfahrung für andere da sein

 

Tahoora Tabatabaei sammelte bereits früh im Studium praktische Erfahrungen in der Sozialen Arbeit. Ab dem dritten Semester erhielt sie ein Stipendium von Brot für die Welt, das ihr ermöglichte, ihre Erwerbsarbeit zu reduzieren und sich stärker auf ihr Studium zu konzentrieren.

 

Ihr Praxissemester absolvierte sie in der Migrationsberatung. Dort unterstützte sie geflüchtete Menschen bei ganz konkreten Herausforderungen des Ankommens in Deutschland. Dabei wurde ihr immer klarer, wohin ihr eigener beruflicher Weg führen soll: Sie möchte insbesondere mit Frauen arbeiten und sie dabei unterstützen, ihre eigenen Möglichkeiten zu erkennen und selbstbestimmt zu leben.

 

Auch wissenschaftlich ziehen sich diese Themen durch ihr Studium. Sie beschäftigte sich unter anderem mit Flucht und Migration, Gleichberechtigung und Diskriminierung. In ihrer Bachelorarbeit untersuchte sie die Rolle von Kulturmittler:innen bei der Herstellung von Chancengleichheit für geflüchtete Frauen.

 

Gleichzeitig engagierte sie sich dafür, internationale und deutsche Studierende an der ehs stärker miteinander in Kontakt zu bringen. Sie organisierte Unternehmungen, Feste und Ausflüge. Denn sie weiß aus eigener Erfahrung, wie schwer Einsamkeit und fehlende Kontakte den Start in einem anderen Land machen können.

 

„Meine Mühe und mein Engagement werden gesehen“

 

Der DAAD-Preis hat für Tahoora Tabatabaei deshalb eine sehr persönliche Bedeutung: „Meine Mühe und mein Engagement werden gesehen und wertgeschätzt.“

 

Genau darum geht es auch bei der Auszeichnung. Der DAAD-Preis soll internationale Studierende wertschätzen und soll sichtbar machen, was sie fachlich und gesellschaftlich an deutschen Hochschulen einbringen.

 

Auch Rektorin Prof. Dr. Silke Geithner würdigt Tahoora Tabatabaeis Engagement: „Tahoora Tabatabaei verbindet sehr gute Studienleistungen mit einem ausgeprägten gesellschaftlichen Verantwortungsbewusstsein. Besonders beeindruckt mich, dass sie ihre eigenen Erfahrungen nutzt, um sich für andere starkzumachen und Teilhabe zu ermöglichen. Mit ihrem Engagement für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung bringt sie eine Haltung in unsere Hochschule ein, die für unser Miteinander von großer Bedeutung ist.“

 

Prof. Dr. Theresa Lempp, die Tahoora Tabatabaei während ihres Studiums begleitet hat, hebt besonders ihre persönliche Entwicklung hervor: „Tahoora hat sich ihren Weg mit großer Beharrlichkeit erarbeitet. Sie hat im Studium eigene Schwerpunkte gelegt, ihre eigenen Erfahrungen mit theoretischen Perspektiven verbunden und daraus eine klare berufliche Perspektive entwickelt.“

 

Für Tahoora beginnt nun bereits das nächste Kapitel. Ab November wird sie beim Ausländerrat Dresden e. V. arbeiten und sich dort insbesondere für Frauen engagieren. Empowerment, Selbstbewusstsein und Selbstständigkeit möchte sie in ihrer künftigen Arbeit stärken.

 

Ihr eigener Weg hat ihr gezeigt, wie viel Beharrlichkeit dafür manchmal notwendig ist. Auf die Frage, was sie heute ihrem jüngeren Ich sagen würde, antwortet sie:

 

„Du kannst alles schaffen!“

 

zur Pressemitteilung der ehs

 

« zurück