Rückblick auf Fachtag & Abschiedsvorlesung von Johannes Brock
„Emanzipatorische Soziale Arbeit – Gesellschaftliche Gestaltungsfunktion Sozialer Arbeit“
Am 30. Juni 2026 war es soweit: Johannes Brock sollte seine Abschiedsvorlesung halten nach mehr als 40 Jahren im Feld der Sozialen Arbeit – in der Praxis vor und nach der Wende, an der Hochschule – immer als Pionier, als einer der ersten; als einer, der geprägt und aufgebaut hat. Das spiegelte sich eindrucksvoll in der Zahl der Gäste und den vertretenen Jahrgängen wider: Mehr als drei Generationen von Sozialarbeiter:innen sowie zahlreiche Kolleg:innen der Hochschule und Studierende waren gekommen, um „Johnny“ gebührend zu verabschieden.
Thema des Fachtags war die Frage, wie eine emanzipatorische und solidarische Soziale Arbeit heute gestaltet werden kann – und welche Erfahrungen aus ihrer Geschichte dabei Orientierung geben können.
Doch zunächst begann der Fachtag mit einer Schweigeminute zum Gedenken an die in Stade getöteten Menschen, die als Fachkräfte der Sozialen Arbeit tätig waren und bei der Ausübung ihrer Tätigkeit ihr Leben verloren.
Prof. Dr. Dr. Ralf Evers eröffnete mit dem Impulsvortrag „Warum moderne Soziale Arbeit zwingend EMANZIPATORISCH ist?“, an den sich Präsentationen von Studierenden der ehs unter dem Titel „Solidarische Soziale Arbeit - Anspruch oder Utopie?“ anschlossen. Auf die Präsentation folgte im Foyer der Hochschule die Gesprächsrunde „Der Weg in eine solidarische Welt“ mit Andreas Borchert, Johannes Brock, Prof. Dr. Dr. Ralf Evers, Dr. Ruth Janschek-Schlesinger, Wolfgang Rechenberg, Scarlett Wiewald, moderiert von Prof. em. Ullrich Gintzel.
Der zweite Programmteil fand im voll besetzten Großen Hörsaal der ehs statt und wurde musikalisch von Christoph Müller begleitet. Die einleitende Besinnung gestaltete Prof. em. Dr. Harald Wagner als langjähriger Kollege, Wegbegleiter und Freund von Johannes Brock.
Prof. Dr. Silke Geithner zeichnete als Rektorin der Hochschule in einem Zwischenwort noch einmal Johannes Brocks Lebensweg nach: Er studierte Sozialarbeit an der Ausbildungsstätte für Gemeindediakonie und Sozialarbeit Potsdam sowie Sozialpädagogik an der TU Dresden. Seine berufliche Praxis führte ihn in unterschiedliche Arbeitsfelder der Sozialen Arbeit, unter anderem in Streetwork und Mobile Jugendarbeit, in die Gemeinwesenarbeit sowie in verschiedene Bereiche der Jugendhilfe. Seit dem 1. Januar 1995 war er als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der ehs tätig. Silke Geithner hob hervor, wie sehr Johannes Brock die Hochschule in seiner langen Wirkungszeit mitgestaltet hat und dankte ihm noch einmal für Klarheit, Humor, seine Gestaltung der Sozialen Arbeit an der Hochschule und in Dresden.
Es folgte ein Grußwort der Studierenden, deren Dank bis hin zu der Idee reichte, ihrem „Lehrer“ ein Denkmal zum Abschied zu bauen.
Den Höhepunkt der Veranstaltung bildete dann die Abschiedsvorlesung von Johannes Brock unter dem Titel „Archiv Sozialarbeitsgeschichte“. Unter dem Leitbegriff der Transition nahm er die Teilnehmenden mit auf eine persönliche und fachliche Zeitreise: Im Mittelpunkt stand nicht der Übergang in den Ruhestand, sondern der Wandel seiner beruflichen Tätigkeit von der Sozialen Arbeit in der DDR hin zur Sozialen Arbeit im wiedervereinigten Deutschland. Anhand seiner Erfahrungen zeichnete er nach, wie sich in den Jahren des gesellschaftlichen Umbruchs neue Handlungsspielräume eröffneten und sich gleichzeitig eine zunehmend institutionalisierte Soziale Arbeit entwickelte.
Die Vorlesung bot weit mehr als einen historischen Rückblick. Sie regte dazu an, aktuelle Herausforderungen Sozialer Arbeit aus einer historischen Perspektive zu betrachten und gemeinsam über Fragen von Teilhabe, Solidarität und professionellem Handeln zu diskutieren. In den anschließenden Gesprächen wurde deutlich, wie eng die Geschichte Sozialer Arbeit mit den Herausforderungen der Gegenwart verbunden ist und wie wichtig der Austausch zwischen Praxis, Lehre und Studium für ihre Weiterentwicklung bleibt.
Mit seiner langjährigen Tätigkeit an der Evangelischen Hochschule Dresden hat Johannes Brock Generationen von Studierenden geprägt. Seine Lehrveranstaltungen in den Bereichen Kommunikation, Methoden der Sozialen Arbeit, Jugendarbeit, Aufsuchende Arbeit und Sozialraumorientierung zeichneten sich stets durch ihre enge Verbindung von wissenschaftlicher Reflexion und beruflicher Praxis aus. Sein Engagement für eine solidarische und emanzipatorische Soziale Arbeit wirkt weit über seine Lehrtätigkeit hinaus.
Der Fachtag bot einen würdigen Rahmen, um auf dieses Wirken zurückzublicken und zugleich den Blick nach vorn zu richten. Die zahlreichen Gespräche und Diskussionen machten deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte Sozialer Arbeit wichtige Impulse für ihre zukünftige Gestaltung liefert.
Wir wünschen Johannes Brock von Herzen alles Gute für seinen nächsten Lebensabschnitt. Möge er der ehs und den Themen, die ihm am Herzen liegen, auch weiterhin mit seiner Erfahrung und seiner klaren Haltung verbunden bleiben.
Foto: Die symbolische Verleihung der Ehrendoktorwürde durch eine langjährige Kollegin aus der Sozialen Arbeit. Fotografin: B. Naake

