Mit 54 zum Master in der Pflege: Warum sich das Studium gelohnt hat
Mit 54 Jahren hat Barbara Strangemann ihren Master in Community Health Nursing und Advanced Practice Nursing an der Evangelische Hochschule Dresden abgeschlossen – berufsbegleitend, neben Familie und Beruf.
Warum haben Sie sich für den Masterstudiengang an der ehs entschieden?
Die Entscheidung für den Masterstudiengang an der ehs ist vor allem aus zwei Gründen gefallen:
Zum einen wollte ich auch im Master berufsbegleitend studieren. Mir ist ein Zusammenspiel zwischen Praxis und Theorie schon immer wichtig gewesen. (Außerdem hätte ich mir nach gut 30jährigem Berufsleben keine Zeit ohne berufliche Tätigkeit vorstellen können.)
Der wichtigere Punkt für die ehs-Wahl waren aber die gesetzten Schwerpunkte im Studiengang. Vor allem die gesundheitliche Versorgung von Menschen in ihrem sozialen Umfeld hatte mich nach meinem Bachelorstudium „gepackt“. Prävention und Gesundheitsförderung auch im Alltag der Menschen zu integrieren, halte ich für eine wichtige Aufgabe und eine große Herausforderung in allen Lebensbereichen. (Die, im Studiengang integrierten Zertifikate gaben einen zusätzlichen Anreiz.)
Was hat Ihnen das Studium konkret für Ihre heutige Arbeit gebracht?
Die Wichtigkeit von Netzwerkarbeit sowie der Mehrwert von Verbündeten sind Aspekte, die ich aus dem Studium mit in die Praxis nehme.
Gab es einen prägenden Moment im Studium?
Rückblickend gab es immer wieder kleine Aha-Momente (die aber nicht so groß waren, dass ich sie hier einzeln benennen könnte). Ein prägender Moment war für mich aber sicherlich, als mir die Entwicklung persönlicher Kompetenzen klar wurde. Waren Vorträge und Präsentationen zu Beginn des Studiums noch sehr unsicher und voller Lampenfieber, hat sich das im Laufe der Zeit – und natürlich mit ein wenig Übung – deutlich verändert.
Vorträge und Präsentationen sind auch in meinem jetzigen beruflichen Umfeld eine deutlich kleinere Herausforderung, die ich entspannter angehen kann.
Und: Gemeinsam geht es! Viele unterschiedliche Menschen (Kommilitoninnen und Kommilitonen) haben unterschiedlichste Ideen, Ansichten und Lösungsansätze, die alle ein wenig weiterhelfen. Deshalb waren für mich die Präsenzphasen und der persönliche Austausch neben den offiziellen Veranstaltungen wichtig. Gleichzeitig konnte ich aber auch feststellen, dass gemeinsames Arbeiten auch über weite Entfernungen möglich ist. (Eine Anwesenheit zu allen Terminen in Präsenz wäre für mich nicht möglich gewesen. Dann hätte ich das Studium schon nicht antreten können bzw. nicht weiter in Erwägung gezogen.)
Wie haben Sie das Studium mit Beruf, Familie und Alltag vereinbart?
Die Verbindung von Studium, Familie und Beruf ist eine Herausforderung. Die Anforderungen aller Bereiche unter einen Hut zu bringen, erfordert viel Organisation und Einsatz. Dabei musste ich auch lernen, immer wieder über unerledigte Dinge hinwegsehen zu können – und das in allen Bereichen. Das Mittagessen musste auf eine schnelle Variante umgestellt, ein vorbereitender Text für eine Veranstaltung konnte nicht gelesen werden oder ein Treffen im beruflichen Kontext konnte nicht wahrgenommen werden. Besonders meine privaten sozialen Kontakte habe ich an einigen Stellen deutlich einschränken müssen.
Was raten Sie Menschen, die über den Beginn eines Studiums nachdenken?
Es lohnt sich! Und es macht bei allen Anstrengungen und Einschränkungen den Horizont weit. Für mich war es die richtige Entscheidung. Es sind viele neue Erkenntnisse aufgetaucht, an die ich zuvor nicht gedacht habe und die ich nicht missen möchte. Aber: Jeder Lebensweg ist anders. Gespräche mit unterschiedlichen Wegbegleitern und Professionen helfen bei den Entscheidungen weiter.
Ergänzend: Interview im Spiegel (Abo erforderlich)
In einem Interview mit Der Spiegel berichtet Barbara Strangemann unter dem Titel "Lohnt sich ein spätes Studium?" ausführlich über ihren persönlichen Weg, ihre Motivation für ein späteres Studium sowie die Herausforderungen, Studium, Beruf und Familie zu verbinden.

