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Eindeutige Ergebnisse beim Fachtag Beschäftigungspotenziale für die Kindertagesbetreuung an der ehs Dresden

Beim Fachtag am 1. April 2026 des BeKit-Projekts stand eine zentrale Frage im Mittelpunkt: Wie sichern wir die Qualität der Kindertagesbetreuung in Ostdeutschland angesichts des demografischen Wandels?

 

Unter dem Titel „Beschäftigungspotenziale in der Kindertagesbetreuung“ diskutierten Vertreter:innen aus Wissenschaft, Praxis, Ausbildungssystem und Kommunen über die Ergebnisse des Forschungsprojekts BeKit.

 

Prof. Dr. Nina Weimann-Sandig (ehs Dresden) präsentierte dabei eindrückliche Befunde: 

 

 

1. Der Mangel ist Alltag geworden. Ein erheblicher Teil der Einrichtungen ist über Wochen im Jahr unterbesetzt – in Ostdeutschland noch stärker als im Westen. Vertretungen lassen sich häufig nicht organisieren, Weiterbildungen fallen aus, weil schlicht niemand da ist, der die Arbeit in der Gruppe übernehmen könnte.


2. Auf den demographischen Wandel reagieren Träger mit Rückbau. Stellen werden nicht nachbesetzt, befristete Verträge laufen aus, Gruppen werden geschlossen oder zusammengelegt. Was als kurzfristige Anpassung beginnt, verfestigt sich zu einem strukturellen.


3. Die verbleibenden Fachkräfte arbeiten am Limit. Leitungen und pädagogische Fachkräfte berichten mehrheitlich von regelmäßigem Zeitdruck. Überstunden sind quer durch alle Funktionsebenen die Regel, nicht die Ausnahme – die tatsächliche Arbeitszeit liegt systematisch über der vertraglich vereinbarten. Für Vor- und Nachbereitung bleibt oft kaum Raum.


4. Die pädagogische Arbeit leidet. Viele Fachkräfte sind unzufrieden mit der Zeit, die ihnen für die direkte Arbeit mit den Kindern bleibt. Steigende Förderbedarfe und wachsende Bürokratie binden zusätzliche Kapazitäten. Der Qualifizierungsbedarf – insbesondere im Umgang mit herausgeforderten Kindern – ist enorm, kann aber unter den gegebenen Bedingungen kaum gedeckt werden. In den Teams nehmen Erkrankungen spürbar zu.

 


Im Impulsgespräch zwischen Inga Blickwede (Diakonie Sachsen) und Prof. Dr. Weimann-Sandig unterstrichen beide: Statt Fachkräfte durch Befristungen zu verlieren sollten Politik und Träger die sinkenden Kinderzahlen für eine qualitative Verbesserung u.a. des Betreuungsschlüssels nutzen und dem Bildungsauftrag der Kitas Vorrangstellung einzuräumen. 

 

Auch in den Workshopgruppen des Tages wurde deutlich, dass die Kita konsequent als Bildungsort begriffen werden muss – und nicht allein als Betreuungsstätte. Sie ist der Schlüssel zum Abbau sozialer Ungleichheit. Investitionen in stabile Beschäftigungsverhältnisse und Unterstützungsstrukturen für Leitungen sind kein Luxus, sondern eine volkswirtschaftliche Notwendigkeit.

 

Wir danken allen Beteiligten für den ehrlichen Austausch und die konstruktiven Impulse. Ein besonderer Dank gilt Christian Kurzke und seinem Team von der Evangelischen Akademie Sachsen, die als Kooperationspartner einen maßgeblichen Anteil am Gelingen des Fachtags hatten.

 

Weitere Informationen zum Projekt finden Sie hier.

 

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