Prof. Dr. Katja Flämig verstärkt das Dozierendenteam der ehs Dresden als Professorin für Kindheitspädagogik
Seit dem 1. November 2025 verstärkt Prof. Dr. Katja Flämig unser Dozierendenteam an der ehs Dresden als Professorin für Kindheitspädagogik. Zuvor war sie Mitarbeiterin des Deutschen Jugendinstituts (DJI) wo sie zuletzt die Fachgruppe „Pädagogische Konzepte für die Kindheit“ an der Abteilung Kinder- und Kinderbetreuung des DJI geleitet hat.
Wir haben ihr fünf Fragen gestellt über ihren Weg, ihre Motivation und ihre Vision für Lehre und Forschung an der ehs:
Was hat Sie auf Ihrem beruflichen Weg zur Kindheitspädagogik geführt?
Ich bin schon während meiner Ausbildung zur Erzieherin mit Fragen der Bildung und Erziehung junger Kinder in Kontakt gekommen. Besonders prägend war für mich der pädagogische Richtungswechsel während der Wendezeit und der damit verbundene Statusverlust des Berufs der Kindergärtner:in. Diese Erfahrungen haben mein Interesse daran geweckt, die Rolle institutionalisierter Kindertagesbetreuung in der Gesellschaft sowie die historischen Entwicklungen des Berufsfeldes genauer zu verstehen.
Aus diesem Grund habe ich meine Tätigkeit als Erzieherin dann später aufgegeben und Erziehungswissenschaften und Soziologie studiert. Im Studium habe ich frühpädagogische Themen konsequent weiterverfolgt und konnte als studentische Hilfskraft in Forschungsprojekten zum professionellen Handeln frühpädagogischer Fachkräfte erste Forschungserfahrungen sammeln.
Später habe ich am Deutschen Jugendinstitut in verschiedenen Forschungs- und Praxisentwicklungsprojekten gearbeitet – unter anderem zu Bildung und Lernen in der frühen Kindheit, zur Professionalisierung pädagogischer Fachkräfte und zu programmatischen Fragen der Kindheitspädagogik. In diesem Kontext ist auch meine Dissertation entstanden, die sich mit einem pädagogischen Arrangement in Kindertageseinrichtungen befasst.
Rückblickend lässt sich sagen: Mein beruflicher Weg war von Anfang an eng mit der Kindheitspädagogik verbunden.
Welche Forschungsschwerpunkte stehen aktuell im Mittelpunkt Ihrer Arbeit?
Aktuell arbeite ich im Projekt „Inklusive Bildung in der Gruppe“ mit, das ich bereits am Deutschen Jugendinstitut begonnen habe und das dort weiterhin angesiedelt ist. Mit einem ethnografischen Forschungszugang untersuchen wir, wie pädagogische Fachkräfte im Alltag Gruppenprozesse gestalten und welche Bedeutung diese für inklusive Bildungssettings haben. Darüber hinaus liegen meine Forschungsschwerpunkte in der ethnografischen Forschung in der Frühpädagogik, in der Analyse und Weiterentwicklung frühpädagogischer Programmatiken sowie in der Kindheitsforschung. Ein besonderes Interesse gilt dabei der Frage, wie Kindheit institutionell gestaltet und geprägt wird.
Welche Impulse ergeben sich aus Ihrer Forschung für die frühpädagogische Praxis?
Mein ethnografischer Forschungsansatz ermöglicht es, pädagogische Arrangements und Alltagssituationen in Kitas über lange Zeiträume in den Blick zu nehmen. Dadurch werden auch nicht beabsichtigte Effekte pädagogischen Handelns sichtbar, also Auswirkungen, die im pädagogischen Alltag entstehen, ohne ausdrücklich intendiert zu sein. Aus den Beobachtungsprotokollen lassen sich vielfältige Fallbeispiele gewinnen, die zur Reflexion anregen. Sie zeigen, an welchen Stellen es sich lohnt, genauer hinzuschauen, aber auch wo die Grenzen der Gestaltbarkeit pädagogischer Ordnungen liegen.
Was ist Ihnen in der Lehre im Studiengang Kindheitspädagogik besonders wichtig?
Mir ist wichtig zu vermitteln, dass Lernen kein linearer Prozess ist. Vielmehr verstehe ich Lernen als einen dialogischen, dynamischen und subjektiven Vorgang. Besonders freue ich mich, wenn Studierende Fragen entwickeln, die sie wirklich umtreiben – denn genau diese Fragen eröffnen oft einen intensiven und nachhaltigen Zugang zu den Themen der Kindheitspädagogik.
Ich sehe mich daher nicht in erster Linie als Wissensvermittlerin, sondern als Impulsgeberin und Moderatorin von Lernprozessen. Mein Ziel ist es, Studierende dabei zu unterstützen, eigene Perspektiven zu entwickeln, sich verantwortlich zu fühlen und reflektiert im Beruf zu handeln.
Was müsste sich zum Thema Kindheit ändern?
Aus meiner Sicht braucht es deutlich mehr Thematisierung der Machtverhältnisse, die mit Kindheit verknüpft sind. Dabei geht es nicht nur um das Verhältnis zwischen Erwachsenen und Kindern in pädagogischen Organisationen oder Familien, sondern auch um die Bilder von Kindern und Kindheit, die auf politischer, wirtschaftlicher und medialer Ebene erzeugt werden. Sie formen die Lebensphase der Kindheit ganz wesentlich und platzieren Kinder als Bevölkerungsgruppe häufig in weitgehend machtlosen Positionen. Eine kritischere Auseinandersetzung mit diesen Strukturen würde auch kindheitspädagogischen Handlungsfeldern eine (noch) größere Bedeutung verleihen.

