Netzwerktreffen KINDER STÄRKEN 2.0 an der Evangelischen Hochschule Dresden
Sucht und Abhängigkeit in Familien als Einflussfaktor der Lebenslage von Kindern
An der Evangelischen Hochschule Dresden kamen Fachkräfte aus Dresden, dem Landkreis Meißen und dem Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge zu einem regionalen Netzwerktreffen im Rahmen des ESF Plus-Programms KINDER STÄRKEN 2.0 zusammen. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Thema, das für die Lebensrealität vieler Kinder von großer Bedeutung ist: Sucht und Abhängigkeit in Familien – und deren Auswirkungen auf Entwicklung, Bildungschancen und soziale Teilhabe.
Wenn elterliche Sucht die Lebenswelt von Kindern prägt
Sucht ist eine Erkrankung mit weitreichenden sozialen Folgen. Besonders betroffen sind Kinder, die in suchtbelasteten Familien aufwachsen. Sie erleben häufig Unsicherheit, Überforderung oder Loyalitätskonflikte und übernehmen nicht selten Verantwortung, die eigentlich Erwachsenen zukommt. Gleichzeitig bleiben ihre Belastungen im Alltag von Bildungs- und Betreuungseinrichtungen oft lange unentdeckt.
Kindertageseinrichtungen sind daher wichtige Orte der frühen Unterstützung. Hier können Belastungen sichtbar werden, Beziehungen entstehen und Wege zu Hilfen eröffnet werden. Für Fachkräfte bedeutet das jedoch auch große Herausforderungen im pädagogischen Alltag. Umso wichtiger sind fachlicher Austausch, fundiertes Wissen und verlässliche Netzwerke.
Fachlicher Input und Perspektivwechsel
Als Referent gestaltete Ruthard Stachowske, Diplom-Sozialpädagoge, approbierter Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeut und Leiter einer Fachklinik für Abhängigkeit und Adaption, den fachlichen Input der Veranstaltung. In seinem Vortrag beleuchtete er grundlegende Zusammenhänge von Suchterkrankungen, familiären Dynamiken und kindlicher Entwicklung.
Dabei ging es unter anderem um:
- Grundlagen von Substanzmittelabhängigkeiten
- die Auswirkungen elterlicher Sucht auf Bindung, Entwicklung und Verhalten von Kindern
- mögliche Warnsignale bei Kindern im Kita- und Schulalltag
- professionelle Zugänge im Umgang mit betroffenen Familien
Ein besonderer Programmpunkt war die gemeinsame Sichtung des Kurzfilms Erinnerungen einer vergessenen Kindheit, der eindrücklich die Perspektive von Kindern aus suchtbelasteten Familien sichtbar macht. Der Film bot einen emotionalen Zugang zum Thema und bildete die Grundlage für eine anschließende Diskussion über Handlungsmöglichkeiten im pädagogischen Kontext.
Austausch und Vernetzung für die Praxis
Neben fachlichen Impulsen stand der Austausch der Teilnehmenden im Mittelpunkt. Zusätzliche Fachkräfte aus dem Programm KINDER STÄRKEN 2.0 sowie Kita-Leitungen nutzten die Gelegenheit, Erfahrungen aus ihrer Praxis zu teilen, Herausforderungen zu reflektieren und voneinander zu lernen. Solche Netzwerktreffen sind ein zentraler Bestandteil des Programms. Sie schaffen Räume für kollegiale Beratung, stärken die Handlungssicherheit von Fachkräften und fördern die Zusammenarbeit zwischen Einrichtungen und regionalen Akteuren.
Die Rolle der Koordinierungs- und Beratungsstelle (KBS)
Das Netzwerktreffen wurde von der Koordinierungs- und Beratungsstelle (KBS) KINDER STÄRKEN 2.0 organisiert. Die KBS begleitet und unterstützt die Umsetzung des Programms fachlich, konzeptionell und wissenschaftlich.
Die KBS wird gemeinsam getragen von der Sächsische Landesvereinigung für Gesundheitsförderung und dem Zentrum für Forschung, Weiterbildung und Beratung an der Evangelischen Hochschule Dresden. Zu ihren Aufgaben gehören unter anderem:
- fachliche Beratung und Prozessbegleitung der beteiligten Kitas
- Organisation von Fachveranstaltungen und Netzwerkformaten
- moderierte Reflexions- und Austauschformate für Fachkräfte
- wissenschaftliche Begleitung und interne Evaluation
- Öffentlichkeitsarbeit und Vernetzung im Sinne der Programmziele
KINDER STÄRKEN 2.0 – für mehr Bildungsgerechtigkeit von Anfang an
Das Programm KINDER STÄRKEN 2.0 wird im Rahmen des Europäischer Sozialfonds Plus mit Beteiligung des Freistaates Sachsen gefördert. Ziel ist es, Kinder mit besonderen Lern- und Lebenserschwernissen frühzeitig zu unterstützen und ihre Bildungs- und Teilhabechancen zu verbessern.
Dazu werden an teilnehmenden Kita-Standorten zusätzliche Fachkräfte eingesetzt, die gemeinsam mit den pädagogischen Teams bedarfsorientierte Angebote für Kinder und Familien entwickeln. Die KBS begleitet diesen Prozess, sichert die Qualität des Programms und trägt dazu bei, Erkenntnisse aus der Praxis für die Weiterentwicklung des Vorhabens nutzbar zu machen.
Gemeinsam Verantwortung für frühe Unterstützung
Das Netzwerktreffen an der Evangelischen Hochschule Dresden zeigt, wie wichtig fachliche Vernetzung und interdisziplinärer Austausch für die Unterstützung von Kindern in belasteten Lebenslagen sind. Wenn Wissenschaft, Praxis und Förderprogramme zusammenwirken, entstehen Strukturen, die früh ansetzen – und Kindern bessere Entwicklungschancen eröffnen.
Weitere Informationen zum Programm:
https://ehs-dresden.de/kbs-kinder-staerken




