Kinderschutz inklusiv gedacht - Fachtag an der ehs
Wie kann Kinderschutz so gestaltet werden, dass alle Kinder und Jugendlichen – auch mit Beeinträchtigungen – gleichermaßen geschützt und unterstützt werden? Diese zentrale Frage stand im Mittelpunkt des Fachtags „Kinderschutz inklusiv gedacht – Chancen und Herausforderungen in der Praxis“, der Anfang März an der Evangelische Hochschule Dresden stattfand.
Die Veranstaltung wurde in Kooperation mit dem Kinderschutzbund Landesverband Sachsen e.V. und der Lebenshilfe Dresden e.V. organisiert und brachte Fachkräfte aus Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Verwaltung sowie aus freien Trägern zusammen. Ziel war es, aktuelle Entwicklungen im inklusiven Kinderschutz zu diskutieren, Wissen zu vermitteln und den fachlichen Austausch zu stärken.
Gesetzliche Veränderungen stellen Praxis vor neue Aufgaben
Hintergrund des Fachtags ist eine grundlegende gesetzliche Veränderung: Ab 2028 wird die Eingliederungshilfe nach SGB IX vollständig in die Kinder- und Jugendhilfe nach SGB VIII integriert. Damit soll eine sogenannte inklusive Kinder- und Jugendhilfe entstehen, bei der Leistungen für junge Menschen – mit und ohne Behinderung – stärker zusammengeführt werden.
Für Fachkräfte und Verwaltungen bedeutet diese Reform jedoch auch neue Herausforderungen:
- Wie können Zuständigkeiten sinnvoll zusammengeführt werden?
- Welche Strukturen braucht eine inklusive Kinder- und Jugendhilfe?
- Wie lassen sich Unterstützungsangebote besser verzahnen?
Und wie kann Kinderschutz so gestaltet werden, dass unterschiedliche Lebenslagen und Beeinträchtigungen angemessen berücksichtigt werden?
Der Fachtag bot einen Einblick in den aktuellen Stand der gesetzlichen Entwicklung und zeigte auf, welche Schritte in Sachsen bereits auf dem Weg zu einer inklusiven Praxis unternommen werden.
Fachliche Impulse und praxisnahe Perspektiven
Am Vormittag standen Vorträge zu zentralen Entwicklungen in der Kinder- und Jugendhilfe sowie zu Unterstützungsangeboten für Menschen mit Beeinträchtigungen im Mittelpunkt. Dabei ging es insbesondere um den Übergang vom gesetzlichen Rahmen zur praktischen Umsetzung sowie um die Frage, welche Strukturen und Kooperationen notwendig sind, um inklusiven Kinderschutz in der Praxis zu stärken.
Zehn Workshops mit Einblicken aus der Praxis
Am Nachmittag vertieften zehn Workshops verschiedene Aspekte des inklusiven Kinderschutzes. Fachkräfte aus Praxis, Verwaltung und Wissenschaft gaben Einblicke in aktuelle Projekte, Erfahrungen und Methoden.
Die Themen reichten unter anderem von:
- dem Weg zum inklusiven Jugendamt,
- der professionellen Einschätzung von Kindeswohlgefährdung im Kontext Behinderung,
- systemischen Perspektiven auf Familiensysteme mit Unterstützungsbedarf,
- inklusiven ambulanten Hilfen für Familien,
- neurodivergenten Perspektiven im Kinderschutz,
- medizinischen Fragen der Eingliederungshilfe nach §35a SGB VIII,
- der Rolle von Verfahrenslots:innen,
- inklusivem Kinderschutz in Schulen,
- Diskriminierungserfahrungen von Kindern mit Behinderung
- bis hin zur Prävention sexualisierter Gewalt.
Die Workshops boten Raum für Diskussion, Erfahrungsaustausch und die gemeinsame Suche nach praxistauglichen Lösungen.
Austausch und Vernetzung als zentrale Grundlage
Neben der Wissensvermittlung war die Vernetzung von Fachkräften ein zentrales Anliegen der Veranstaltung. In vielen Arbeitsfeldern des Kinderschutzes arbeiten unterschiedliche Systeme zusammen – von Jugendhilfe und Eingliederungshilfe über Schulen bis hin zu Gesundheitsdiensten. Der Fachtag machte deutlich, dass inklusive Lösungen nur im Zusammenspiel dieser Akteur:innen gelingen können.
Ein gemeinsamer Auftrag
Die Diskussionen des Tages zeigten: Inklusiver Kinderschutz ist mehr als eine gesetzliche Reform. Er bedeutet, Strukturen weiterzuentwickeln, Fachwissen zu erweitern und Perspektiven zu verändern – damit alle Kinder und Jugendlichen unabhängig von ihren Voraussetzungen Schutz, Unterstützung und Teilhabe erfahren können.
Die Veranstaltung an der Evangelischen Hochschule Dresden setzte dafür wichtige Impulse und bot einen Raum für Austausch, Lernen und gemeinsame Perspektiven für die Zukunft des Kinderschutzes in Sachsen.




